Der Frühling hat im Berchtesgadener Land Einzug gehalten, und mit ihm die ersten Wanderer, die sich auf den Weg zu den malerischen Almen machen. Besonders die Zwieselalm über Bad Reichenhall zieht Naturfreunde an. Doch der Aufstieg ist kein Spaziergang. Zu Fuß geht es nur hinauf – keine Straßen, keine Fahrzeuge. Dafür gibt es eine bunte Mischung aus Ziegen, Kühen und einer atemberaubenden Aussicht. Die Familie Potschacher steht in diesem Jahr vor einer schweren Entscheidung: Soll der Gastbetrieb für Wanderer aufgegeben werden? Ähnlich wie andere Almen im Berchtesgadener Land sieht sich die Familie mit einer Flut von Vorschriften und Gutachten konfrontiert. Unterstützung von Freiwilligen bei der Versorgung der Ziegen und Gäste ist unverzichtbar geworden.

Die Steiner Alm, bewirtschaftet von der erfahrenen Cati Hartl, bietet eine willkommene Abwechslung. Hier kümmern sich Ziegen, Kühe, Pferde und Esel um die Unterhaltung der Gäste. Cati ist bekannt dafür, dass sie auch für Radfahrer offen ist – und ja, selbst E-Biker sind willkommen. Doch nicht alle Radler haben das nötige Geschick, um den steilen Weg hinunterzukommen. Manchmal werden die Wanderwege beschädigt, und das muss nicht sein. Um die Tiere von Bergsteigern fernzuhalten, muss Cati viele Kilometer Zaun aufstellen. An ruhigen Orten der Alm, umgeben von alten Bäumen, kann man die Seele baumeln lassen und den Ausblick genießen. Ein echtes Stück bayerischer Idylle!

Tradition trifft Moderne

Die Stoißer Alm am Teisenberg hat eine lange Geschichte. Seit über 100 Jahren gehört sie der Almgenossenschaft Freidling, die hier die Tradition am Leben erhält. Im Jahr 1926 verloren die umliegenden Bauern ihr Schafweiderecht am Teisenberg, und zwei Jahre später stimmten 26 Landwirte für den Kauf der Alm, verbunden mit einer Schankerlaubnis. Heute gibt es keine Milchkühe mehr auf der Alm, sondern nur noch Jungvieh. Dennoch hat der Gastbetrieb an Bedeutung gewonnen. Die Bauern und Bäuerinnen arbeiten abwechselnd in der Küche, und der kulinarische Genuss kommt hier nicht zu kurz. Christoph Thaler, der aktuell als Hüttenwirt tätig ist, erlebt einen Sommer voller Herausforderungen und Abwechslung zwischen seinem Dolmetscherstudium in Wien und einer Lehrtätigkeit in Kolumbien.

Die neuen Vollzugsvorschriften des Bayerischen Umweltministeriums bringen frischen Wind in die Rechtslage beim Fahren mit Fahrrädern und E-Bikes. Wandern ist nach wie vor die beliebteste Aktivität in den oberbayerischen und Allgäuer Alpen. Doch bei Begegnungen mit Weidevieh ist Vorsicht geboten. Die verschiedenen Herden – von der Mutterkuhherde, die ihre Kälber verteidigt, bis hin zu den ruhigen Milchkuhherden – verlangen Respekt und Umsicht. Wanderer sollten sich bewusst sein, dass die Wege oft durch Almen und Rinderweiden führen, was zu unerfreulichen Begegnungen führen kann. Ein aufmerksames Verhalten ist hier das A und O.

Die Almen im Berchtesgadener Land sind mehr als nur schöne Wanderziele; sie sind ein Teil der bayerischen Kultur und Lebensweise. Mit ihren Geschichten und Herausforderungen spiegeln sie die Verbindung zwischen Mensch und Natur wider. Und während die Ziegen auf der Zwieselalm fröhlich umherstreifen und die Gäste die frische Bergluft genießen, bleibt die Frage: Wie geht es weiter mit den Almen? Eine spannende Zeit steht bevor.