Heute ist der 11.05.2026 und in Bad Tölz-Wolfratshausen wird ein wichtiges Thema heiß diskutiert: die Auswirkungen von Alkoholismus auf Kinder. Hein König, ein Bewohner des Hauses Waldherr, hat seine Geschichte mit der Öffentlichkeit geteilt. Er lebt dort, in einer Einrichtung, die Menschen mit Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit hilft, ein abstinentes Leben zu führen. Aufgewachsen mit einer alkoholkranken Mutter, kennt er die emotionalen Wunden, die der Alkoholkonsum schlagen kann. König möchte mehr Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und hat bei der Vollversammlung des Arbeitskreises Sucht eindrucksvoll über seine Erfahrungen berichtet.
Der Arbeitskreis Sucht, der seit den 1980er-Jahren aktiv ist, koordiniert Angebote zur Prävention und Suchthilfe. Bei dieser Versammlung lag der Fokus besonders auf den Kindern, die mit suchtkranken Eltern aufwachsen. Es wurde ein Kurzfilm mit dem Titel „Erinnerungen einer vergessenen Kindheit“ von Lars Smekal gezeigt, der die bedrückende Atmosphäre in suchtbelasteten Familien eindrücklich darstellt. Gerhard Büttner, ebenfalls Teilnehmer der Versammlung, berichtete von seinen eigenen Erfahrungen als suchtkranker Vater und den Folgen für sein Kind. Diese persönlichen Geschichten sind nicht nur bewegend, sie sind auch ein Aufruf zur Unterstützung.
Kinder in der Schusslinie
Die alarmierenden Zahlen sprechen für sich: In Deutschland kämpfen etwa 8,2 Millionen Erwachsene mit Suchtproblemen – das entspricht rund 10 % der Bevölkerung. Und was viele nicht wissen: Rund drei Millionen Kinder leben in Haushalten mit mindestens einem suchtkranken Elternteil. Besonders die Alkoholabhängigkeit ist dabei ein weit verbreitetes Problem. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wurden im vergangenen Jahr 140 Kinder und Jugendliche aus solchen belasteten Familien betreut. Das ist eine erschreckende Realität, die oft im Verborgenen bleibt.
Eva Berleb von der Caritas-Suchtberatung betonte, dass Kinder oft versuchen, das Familiensystem zu schützen, was zu einem enormen emotionalen Stress führen kann. Sie tragen eine Last, die viel zu schwer für ihre kleinen Schultern ist. Johanna Basel vom Schulamt wies darauf hin, wie wichtig konfrontative Gespräche zwischen Schulpsychologen und Eltern sind – das kann der erste Schritt zur Veränderung sein. David Neuner vom Jugendamt erklärte, dass die Stärkung der Erziehungskompetenz von suchtkranken Eltern ein zentraler Punkt ist. Nur so kann eine positive Wende herbeigeführt werden.
Unterstützung für Betroffene
Doch es gibt Hilfe! Verschiedene Beratungsstellen, wie die ökumenische Beratungsstelle „Kipse“ und die Fachambulanzen der Caritas, stehen bereit, um Familien zu unterstützen. Sie sind Lichtblicke in der Dunkelheit, die durch Sucht und Abhängigkeit verursacht wird. Kinder von suchtkranken Eltern haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst abhängig zu werden. Experten schätzen, dass etwa ein Drittel von ihnen später ebenfalls Süchte entwickelt. Das macht deutlich, wie wichtig frühzeitige Interventionen und Unterstützung sind.
Diese Versammlung war nicht nur ein Austausch von Erfahrungen, sondern auch ein Aufruf an alle Anwesenden, das Thema Sucht und deren Auswirkungen auf Kinder ernst zu nehmen. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, die Gesellschaft für diese Problematik zu sensibilisieren. Nur so können wir diesen Kindern die Chance auf eine bessere Zukunft geben und die Kreisläufe der Abhängigkeit durchbrechen. Es ist an der Zeit, dass wir hinschauen und handeln.
