Was kommt nach der Kunst? Diese Frage werfen wir auf, während sich Aschaffenburg auf eine bemerkenswerte Ausstellung vorbereitet, die die europäische Kunstszene beleuchtet. Die Schau mit dem Titel „A European Collection“ im Christian Schad Museum präsentiert 73 ausgewählte Werke aus dem berühmten Khanenko Museum in Kyjiw. Diese Ausstellung, die bis zum 10. Februar 2027 zu sehen sein wird, holt einen Teil der ukrainischen Kultur ins Herzen Deutschlands, das momentan von der russischen Aggression bedroht wird.
Die Direktorin des Khanenko Museums, Yuliya Vaganova, bringt es auf den Punkt: Die ukrainische Kultur wird im Zuge des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine zerrüttet. In den letzten zwei Jahren wurden über 1.723 Objekte des kulturellen Erbes in der Ukraine zerstört, wobei nicht nur die kulturellen Einrichtungen angegriffen, sondern auch mehr als 130 Museen schwer beschädigt wurden. In dieser dunklen Zeit ist die Ausstellung in Aschaffenburg ein Lichtblick und ein Zeichen des kulturellen Widerstands.
Die Reise der Kunstwerke
Die Sammlung des Khanenko Museums, das 1918 gegründet wurde, umfasst über 25.000 Objekte aus der antiken, asiatischen und europäischen Kultur, und wurde von den Kunstsammlern Bohdan und Varvara Khanenko zusammengetragen. Der Angriff auf das Museum im Oktober 2022 hat die Bedeutung dieser Sammlung noch einmal unterstrichen, denn die wertvollen Werke konnten vorher in Sicherheit gebracht werden. Laut Vaganova geht es nicht nur um Kunst, sondern um den Schutz der ukrainischen Identität und des kulturellen Erbes angesichts der ständigen Bedrohung durch die russische Invasion.
Die Klimaks der Ausstellung wird im Italien-Saal erlebt, wo Werke international bekannter Künstler präsentiert werden. Ein Highlight ist die Tempera-Arbeit von Pisanello sowie das Madonnenbild von Giovanni Battista Cima da Conegliano und das „Beisetzung eines Trappisten-Mönchs“ von Alessandro Magnasco. Gleich daneben zieht der Saal der Niederländer mit Meisterwerken von Rubens und Jacob Jordaens alle Blicke auf sich. Die Präsentation ist schlicht gehalten, um die zeitlose Schönheit der Werke in den Mittelpunkt zu stellen.
Kulturelles Erbe unter Beschuss
W während des russischen Übergriffs auf die Ukraine wurde nicht nur die physische Brutalität des Konflikts sichtbar, sondern auch die Zerstörung des kulturellen Erbes. Die UNESCO berichtete über die teilweise oder vollständige Beschädigung von mindestens 53 Objekten, darunter historische und religiöse Stätten. Das Iwankiw-Museum für Geschichte und Heimatgeschichte brannte aufgrund eines Bombenangriffs nieder, und das Holocaust-Gedenkzentrum Babyn Jar wurde beschädigt, während viele andere Einrichtungen und Kunstwerke nach wie vor der Zerstörung ausgesetzt sind.
Das Khanenko Museum im Speziellen hat durch den Krieg eine neue Dringlichkeit erhalten. Der Direktor der St. Petersburger Eremitage, Michail Piotrowski, bezeichnet die russischen Ausstellungen im Ausland als eine „Art der Spezialoperation“, was die Verzweiflung der Situation verdeutlicht. Es wird immer deutlicher, dass das Erbe der Ukraine nicht nur national, sondern global geschützt werden muss.
Die Ausstellung im Christian Schad Museum ist daher weit mehr als nur eine Kunstshow. Sie ist ein Symbol des kulturellen Widerstands und eine Erinnerung daran, dass trotz aller Widrigkeiten die Kultur und das Erbe am Leben erhalten werden müssen. Aschaffenburg wird nicht nur die Kunst schätzen, sondern auch die Geschichte, die sie trägt.