In Aschaffenburg hat die Ausstellung „A European Collection“ im Christian Schad Museum ihre Tore geöffnet und zieht Kunstliebhaber aus nah und fern an. Diese besondere Ausstellung vereint 73 Meisterwerke der europäischen Malerei aus dem renommierten Kiewer Bohdan und Varvara Khanenko Nationalmuseum. Die Werke stammen aus dem 15. bis 19. Jahrhundert und geben einen beeindruckenden Überblick über zentrale Positionen der europäischen Malerei. Museumsdirektor Thomas Schauerte beschreibt die Ausstellung als einen Akt der Solidarität mit der Ukraine, die seit Jahren unter dem Druck russischer Aggression leidet.

Die Khanenko-Sammlung gilt als die bedeutendste Kunstsammlung der Ukraine und ist seit vier Jahren einem ständigen Angriff ausgesetzt. Im Oktober 2022 wurde das Museum bei einem Raketenangriff schwer beschädigt. Glücklicherweise blieben die Kunstwerke unversehrt und konnten in geheimen Transporten nach Aschaffenburg gebracht werden. Die Organisation dieser Ausstellung erfolgte in einem bemerkenswerten Schnelldurchlauf von nur zehn Monaten, währenddessen das Museum vorübergehend geräumt wurde.

Ein Blick auf die Meisterwerke

Die ausgestellten Werke umfassen über 30 italienische Meisterstücke, darunter das berühmte Gemälde der heiligen Madonna mit schlafendem Jesuskind von Giovanni Battista Cima da Conegliano und das Profilporträt von Ludovico III. Gonzaga, welches ursprünglich Gentile Bellini zugeschrieben wurde, heute jedoch Pisanello zugeschrieben ist. Auch Marco d’Oggiones „Mariä Himmelfahrt“, das mit da Vincis Sfumato-Technik gefertigt wurde, sowie Alessandro Magnascos eindrucksvolles Gemälde zur Beisetzung eines Trapistenmönchs sind Teil dieser bemerkenswerten Sammlung.

Im zweiten Obergeschoss finden sich Werke nördlicher Schulen, darunter die bizarre Höllenwelt im Triptychon „Die Versuchung des heiligen Antonius“ aus der Werkstatt Hieronymus Bosch. Auch Rubens’ Ölskizze „Dank an den Flussgott der Schelde“ und Jacob Jordaens’ „Amor und die schlafenden Nymphen“ sind hier ausgestellt. Ein Highlight ist Juan de Zurbaráns „Stillleben mit Schokoladenservice“ aus dem Jahr 1640, das die Vielfalt und den Reichtum der abendländischen Kunst eindrucksvoll verdeutlicht.

Das Thema der Rückkehr

Besonders berührend ist der stille Subtext der Ausstellung: Die Kunstwerke, die nun in Aschaffenburg zu sehen sind, sollten tatsächlich in der Ukraine sein. Die Rückkehr der Bilder hängt von zukünftigen Friedensbedingungen ab, sodass die Hoffnung auf eine Rückkehr nicht nur für die Kunst, sondern auch für die Menschen in der Ukraine lebendig bleibt. Der dreisprachige Katalog zur Ausstellung ist Teil eines umfassenden europäischen Kooperationsprojekts zwischen der Ukraine und Bayern und richtet sich besonders an geflüchtete Menschen aus der Ukraine.

Die Ausstellung „A European Collection“ ist somit nicht nur eine künstlerische Präsentation, sondern auch ein starkes Symbol für die kulturellen Verflechtungen Europas und das gemeinsame kulturelle Erbe, das in schwierigen Zeiten bewahrt werden muss. Die Werke von Künstlern wie Rubens, Bellotto, Vernet und vielen anderen machen deutlich, wie Kunst Brücken bauen kann, selbst in Zeiten des Konflikts.

Wer sich für europäische Kunst interessiert, sollte sich diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen. Die Ausstellung im Christian Schad Museum in Aschaffenburg bietet nicht nur einen Einblick in die bedeutendsten Werke der abendländischen Malerei, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über Kultur, Identität und den Wert von Kunst in Krisenzeiten. Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Webseite des Museums unter fr.de und schnell-und-steiner.de.