Junge Landwirte im Landkreis Aichach-Friedberg: Frischer Wind im Wandel der Landwirtschaft
Im Landkreis Aichach-Friedberg ist die Landwirtschaft im Wandel. Während die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe kontinuierlich zurückgeht, zeigt sich die Branche gleichzeitig immer digitaler. 2025 zählte man hier noch 1139 Betriebe. Das klingt nach viel, aber im Vergleich zu früheren Jahren ist das ein klarer Rückgang – die Zahlen sprechen für sich. Über 473 dieser Betriebe, mehr als ein Drittel, werden von Betriebsleitern geleitet, die älter als 55 Jahre sind. Nur 204 junge Leute unter 35 Jahren führen einen Hof. Markus Eggenmüller vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) sieht die Altersstruktur als ungünstig. Wenn man bedenkt, dass viele Höfe aufgegeben werden, sobald die Inhaber in den Ruhestand gehen, ist das ein echtes Problem.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Betriebe sind einfach zu klein, um ein dauerhaft ausreichendes Einkommen zu sichern. Auch die Herausforderungen, die Dürresommer und extreme Wetterbedingungen mit sich bringen, können die Ernte gefährden und junge Nachfolger abschrecken. Laut der bayerischen Agrarministerin Michaela Kaniber ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern sogar zum ersten Mal auf unter 100.000 gesunken. Statistisch betrachtet verlieren wir in Bayern täglich drei Höfe – eine traurige Bilanz für die heimische Landwirtschaft.
Der Weg zur Digitalisierung
Trotz dieser Herausforderungen bleibt das Interesse an der Landwirtschaft unter Jugendlichen bestehen. Ihre Berufswahl hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab: der Größe des Betriebs, den Entwicklungsmöglichkeiten sowie der wirtschaftlichen Situation und der hohen Arbeitsbelastung. In Aichach-Friedberg und im Umland legen jedes Jahr etwa 50 junge Landwirtinnen und Landwirte ihre Abschlussprüfung ab. Das zeigt, dass es auch in Zeiten des Wandels einen gewissen Optimismus gibt.
Ein Blick auf die Ausbildungszahlen und die Initiativen für junge Bäuerinnen und Bauern zeigt, wie vielschichtig und dynamisch diese Branche ist. In einer Artikelserie werden unter anderem Martina Reichhold aus Stockensau, Martin Wernberger aus Sielenbach und Sylva Held aus Mering-Baierberg vorgestellt. Diese jungen Menschen bringen frischen Wind in die Landwirtschaft, sei es durch innovative Ansätze zur Tierhaltung, Erlebnishöfe oder nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Quirin Bachmeir aus Mering-Baierberg, der mit Schweinen und Kartoffeln arbeitet, und Max aus Steindorf, der Bio-Milchziegen hält, sind weitere Beispiele für die Vielfalt in der Region.
Strukturwandel und Zukunftsperspektiven
Doch was bedeutet das alles für die Zukunft der Landwirtschaft in Bayern? Der Strukturwandel setzt sich fort und zeigt unterschiedliche Auswirkungen je nach Betriebstyp. Zwischen 2005 und 2025 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern von 132.756 auf 97.939 gesunken – ein Rückgang von 26,2 Prozent. Während die Haupterwerbsbetriebe wachsen, haben die Nebenerwerbsbetriebe tendenziell kleinere Flächen und geben häufiger auf. Viele Nebenerwerbsbetriebe wechseln sogar in den Haupterwerb, was die Zahl der Haupterwerbsbetriebe zwar reduziert, aber gleichzeitig die durchschnittliche Betriebsgröße erhöht. So stieg die durchschnittliche Betriebsgröße von 24,5 auf 31,7 Hektar, während die Viehdichte sank.
Im Jahr 2023 gab es rund 37.340 Haupterwerbsbetriebe und etwa 63.400 Nebenerwerbsbetriebe in Bayern. Das bedeutet, dass etwa 37 Prozent der Betriebe Haupterwerbsbetriebe sind. Diese Struktur zeigt, dass die Landwirtschaft immer mehr in Richtung Spezialisierung geht. Während die einen Betriebe wachsen, kämpfen andere ums Überleben – ein ständiger Balanceakt zwischen Tradition und Innovation.
Die landwirtschaftlich genutzte Fläche hat sich ebenfalls verringert, und die Viehdichte sinkt sowohl in Haupt- als auch Nebenerwerbsbetrieben. Diese Veränderungen sind nicht nur statistische Werte, sondern sie haben direkte Auswirkungen auf die Menschen, die in dieser Branche arbeiten. Die Herausforderungen, die der Klimawandel, die Digitalisierung und die Marktentwicklungen mit sich bringen, sind enorm. Aber gleichzeitig gibt es auch Chancen, die es zu nutzen gilt. Junge Menschen, die mit frischen Ideen und einem modernen Ansatz in die Landwirtschaft eintreten, könnten der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft sein.
