Im Burkhard-von-Seckendorff-Heim in Gunzenhausen wird ab sofort ein neues Projekt ins Leben gerufen, das den letzten Lebensabschnitt von Bewohnern würdevoller gestalten soll. Unter dem Titel „Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim am Lebensende“ (ZiB-P) bieten zwei Palliative-Care-Fachkräfte Unterstützung für Sterbende und deren Angehörige. Dies berichtet nn.de.
Das Projekt, das kürzlich im Theilenhofener Mehrgenerationenhaus vorgestellt wurde, hat das Ziel, die Lebensqualität der Bewohner in ihren letzten Momenten zu verbessern. Dabei stehen nicht nur medizinische Aspekte im Vordergrund – auch Gespräche, Nahrungsaufnahme und das Erfüllen besonderer Wünsche sollen inkludiert sein. Laut den Angaben sterben in Deutschland etwa 19% der Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen. Ein Drittel davon ereignet sich im ersten halben Jahr nach dem Einzug in die Einrichtung.
Hintergrund und Unterstützung
Seit 2018 wird das Projekt von der Münchner Stiftung sowie dem Bayerischen Gesundheitsministerium gefördert. Es wurde bereits in rund 100 Einrichtungen erfolgreich umgesetzt. Im Burkhard-von-Seckendorff-Heim sind nun zwei speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen im Einsatz, die eine 160-stündige Ausbildung absolviert haben. Pro Tagespflegekraft werden 40 Arbeitsstunden gefördert, wobei die zusätzlichen Stunden von der Einrichtung getragen werden müssen. Die Hospitalstiftung in Gunzenhausen hat sich bereit erklärt, die Kosten für zusätzliche zehn Stunden zu übernehmen.
Begleitet wird das Projekt zudem vom Hospizverein des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen, um einen weiterführenden Austausch zwischen den Fachkräften, Ärzten und Angehörigen zu gewährleisten. Ziel ist es nicht nur, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, sondern auch eine vertraute und empathische Atmosphäre zu schaffen.
Die Rolle von Palliative Care
In der aktuellen Gesellschaft wird dem Thema Sterben und Tod immer mehr Beachtung geschenkt. Die Hospizbewegung sowie Palliativmedizin sind essenziell, um den Menschen in ihrer letzten Lebensphase eine würdevolle Begleitung zu ermöglichen. Diese Entwicklung ist nicht von ungefähr: Der Umgang mit Sterben ist eine grundlegende menschliche Erfahrung, die oft von Ängsten und Tabus geprägt ist. Die Hospizbewegung hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur in Deutschland, sondern weltweit immer weiter professionalisiert und etabliert, wie euvida.net erläutert.
Die Idee hinter Palliative Care zielt darauf ab, symptomatische Beschwerden zu lindern, ohne den Fokus auf Heilung zu legen. Dabei wird eng mit verschiedenen Fachleuten zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass sowohl medizinische, psychosoziale als auch spirituelle Bedürfnisse berücksichtigt werden. Die neuen Möglichkeiten, die durch Digitalisierung und Telemedizin entstehen, könnten zudem helfen, die Versorgung in der Zukunft weiter zu optimieren.
Das Gunzenhausener Projekt setzt hier an und zeigt, dass mit einem guten Händchen und klaren Zielsetzungen ein würdevoller Umgang mit dem letzten Lebensabschnitt gestaltet werden kann. Unterstützung von Fachkräften aus verschiedenen Disziplinen sowie eine enge Vernetzung sind der Schlüssel, um den Bewohnern ein selbstbestimmtes Leben bis zum Schluss zu ermöglichen.
