Am 29. Juni verwandelte sich die Kulturfabrik NUTS in Traunstein in einen Ort voller Geschichten und kreativer Energie. Der Literaturabend der Chiemgau-Autoren zog zahlreiche Besucher an, die gespannt auf die Präsentation von sieben talentierten Schriftstellern warteten. In diesem Jahr fiel das gewohnte „Lesen nach Los“ flach – stattdessen standen die Ergebnisse der Werkstätten im Mittelpunkt. Ein spannendes Konzept, das die Zuschauer auf eine literarische Entdeckungsreise mitnahm.

Diese Werkstätten, die jährlich auf der Rabenmoosalm bei Ruhpolding stattfinden und von der inspirierenden Meike K. Fehrmann geleitet werden, bieten den Autoren die Möglichkeit, ihre Ideen zu entwickeln und zu verfeinern. Mit dem Blick auf die Zukunft wurde für 2025 bereits eine weitere Werkstatt auf der Fraueninsel unter der Leitung von Martin Trautwein angekündigt. Das Gedenken an die verstorbene Autorin Heidi Merkel, die viele Jahre ein fester Bestandteil des Vereins war, verlieh dem Abend eine nachdenkliche Note.

Ein Abend voller Vielfalt

Die Vielfalt der vorgestellten Werke war beeindruckend. Christine Heimannsberg entführte das Publikum mit ihrem Manuskript für einen psychologischen Thriller, der die Unzuverlässigkeit von Erinnerungen thematisiert. Man spürte die Spannung im Raum, als sie die ersten Seiten las. Meike K. Fehrmann selbst gab Einblicke in ihren „Coming-of-Age-Roman in Progress“, der in den 1980er-Jahren spielt. Nostalgische Klänge schienen durch den Raum zu wehen, als sie von ihrer Protagonistin erzählte.

Das Publikum wurde auch Zeuge von Gudrun Bielenskis bewegender Biografie über die Komponistin Fanny Mendelsohn Hensel. Ein weiteres Highlight war Martin Trautweins Ausblick ins Jahr 2043, wo eine künstliche Intelligenz die Hauptrolle spielte. Man konnte sich fast vorstellen, wie die Welt in 17 Jahren aussehen könnte – oder auch nicht! Armena Kühne-Enzinger hingegen sorgte mit ihrem ersten Roman „Ein ungebetener Gast“ für schaurige Unterhaltung, in dem der Tod den russischen Diktator Sergej ins Jenseits holt. Ein unerwarteter Twist, der die Zuhörer zum Schmunzeln brachte.

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Erinnerungen und Erzählungen

Ingrid Berghammer nahm die Anwesenden mit auf eine Reise in die Natur mit ihrem Werk „Ziegenfliegen“, das von ihren Erlebnissen auf der Rabenmoosalm erzählt. Zum Abschluss des Abends überraschte Georg Berghammer mit einer märchenhaften Geschichte über das Treiben auf dieser idyllischen Alm. Die Geschichten fügten sich zu einem bunten Mosaik, das die Seele des Chiemgaus widerspiegelte.

Ein weiteres Highlight steht bereits vor der Tür: Der nächste Literaturabend findet am 27. Juli um 19 Uhr in der Kulturfabrik NUTS statt. Josef Wittmann wird sein Buch „O mei! Boarische Gedichte aus guatding zwangs Jåhr“ vorstellen. Der Eintritt ist frei, und alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich von den Worten der Autoren verzaubern zu lassen.

So schließt sich der Kreis einer lebendigen literarischen Gemeinschaft, die nicht nur Geschichten erzählt, sondern auch Verbindungen schafft. In Zeiten, in denen das Geschriebene oft in den Hintergrund tritt, ist es ein wahres Geschenk, solch kreative Köpfe zu erleben und ihre Werke zu feiern. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Veranstaltungen in Traunstein nicht entgehen lassen – sie sind ein Stück bayerische Kultur, das zum Nachdenken anregt und gleichzeitig das Herz erfreut.

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