Heute ist der 26.02.2026 und der Fachkräftemangel im Landkreis Tirschenreuth ist längst keine Zukunftsvision mehr, sondern eine spürbare Realität. Diese Erkenntnis wird im neu veröffentlichten Fachkraeftereport 2026 deutlich, der auf die demografische Entwicklung hinweist. Bis zum Jahr 2043 wird sich die Situation weiter verschärfen, da die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter zurückgeht. Ein großer Teil der Arbeitnehmer im Landkreis Tirschenreuth erreicht in den kommenden Jahren das Rentenalter, viele sind bereits über 55 Jahre alt. Diese Faktoren führen dazu, dass offene Stellen zunehmend schwerer besetzt werden können. Die durchschnittliche Dauer zur Besetzung einer Stelle hat sich nahezu verdoppelt.
Besonders gefragt sind Fachkräfte in den Bereichen verarbeitendes Gewerbe, Bau, Handel sowie im Gesundheits- und Sozialbereich. Der Ausbildungsmarkt steht vor erheblichen Herausforderungen, da viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben und junge Menschen in andere Regionen pendeln. Gleichzeitig wird jedoch eine zunehmende Zahl von Einpendlern verzeichnet, was eine positive Wanderungsbilanz für den Landkreis darstellt. Landrat Roland Grillmeier betont die Bedeutung des Berichts für die strategische Ausrichtung der Region, die Grundlage für Maßnahmen zur Stärkung von Ausbildung, Zuwanderung und der Attraktivität für Fachkräfte bieten soll.
Herausforderungen für Unternehmen
Der Fachkräftereport der DIHK zeigt, dass die schwache Wirtschaftslage den Personalbedarf der Unternehmen dämpft. 36% der fast 22.000 befragten Unternehmen können offene Stellen nicht besetzen, weil geeignetes Personal fehlt. Auch wenn dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozentpunkte gesunken ist, bleibt die Situation angespannt. Über 40% der kleinen und mittleren Unternehmen haben Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung, während fast die Hälfte aller Betriebe aktuell keinen Personalbedarf angibt, was einen Anstieg um 5 Prozentpunkte darstellt.
Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der DIHK, warnt vor einer trügerischen Entspannung beim Fachkräftemangel. 83% der Unternehmen erwarten negative Auswirkungen durch den Arbeits- und Fachkräftemangel in den kommenden Jahren. Häufige Folgen sind steigende Arbeitskosten (63%) und Mehrbelastungen für die Belegschaft (55%). Besonders gefragte Fachkräfte sind solche mit dualer Berufsausbildung, wobei 57% der Unternehmen mit Besetzungsproblemen keine geeigneten Bewerber in diesem Segment finden können. In Schlüsselbranchen wie Digitalisierung, Energie und Infrastruktur sind häufig Spezialisten gefragt, was die Lage zusätzlich verschärft.
Strategien zur Fachkräftesicherung
Die Unternehmen erkennen den Rückgang der Menschen im Erwerbsalter als große Sorge. Dercks betont, dass alle Potenziale gehoben werden müssen, einschließlich der Weiterbildung, Zuwanderung und der Beschäftigung älterer Menschen. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei von großer Bedeutung, insbesondere durch ein gutes und flexibles Kinderbetreuungsangebot. In Deutschland fehlen derzeit 300.000 Kitaplätze, vor allem in den westlichen Bundesländern, was die Situation weiter kompliziert. Der Ausbau von Ganztagsgrundschulen soll Eltern unterstützen und die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben verbessern.
Die (Weiter-)Beschäftigung älterer Fachkräfte wird als Chance zur Fachkräftesicherung angesehen. Die Bundesregierung hat mit der Aktivrente einen ersten Schritt unternommen, um die Beschäftigung älterer Menschen zu fördern. Zudem wird die Arbeits- und Fachkräftezuwanderung aus dem Ausland als wichtiges Instrument zur Fachkräftesicherung betrachtet. Hierbei sind effiziente, unbürokratische und schnelle Verwaltungsverfahren notwendig, um Zuwanderung zu erleichtern. Die geplante digitale „Work-and-stay-Agentur“ (WSA) soll als zentrale Anlaufstelle für Zuwanderungsanträge dienen und somit die Herausforderungen, vor denen der Landkreis Tirschenreuth und viele Unternehmen stehen, angehen.
Der Fachkräftemangel wird als zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre identifiziert. Umso wichtiger ist es, geeignete Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, die sowohl die Ausbildungsbedingungen verbessern als auch die Region für Fachkräfte attraktiv gestalten.