Am Vormittag des 19. Februars 2026 sorgten leere Stühle auf dem Ludwigsplatz in Straubing für Aufsehen: Sie standen dort als symbolisches Gedächtnis an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau, der sich vor sechs Jahren ereignete. Diese stille Gedenkaktion war nicht angemeldet, und es war kein Verantwortlicher bekannt, doch die Aussagekraft war unübersehbar, auch wenn die Stadt die Stühle zur Mittagszeit entfernte. Die Tragweite dieses Geschehens wurde den Anwesenden schnell bewusst: Am 19. Februar 2020 erschoss ein Attentäter in Hanau neun Menschen, andere wurden verletzt, und das Trauma verfolgt viele bis heute.
Der Anschlag in Hanau, bei dem der Täter Tobias R. in der Arena-Bar unter anderem auf Ibrahim Akkuş schoss, hat schwerwiegende Fragen zu Rassismus und Diskriminierung in Deutschland aufgeworfen. Am 10. Januar 2026 starb Akkuş an den Spätfolgen seiner Verletzungen. Inmitten dieser Trauer verspüren Angehörige, wie Armin und Dijana Kurtović, die den Verlust ihres Sohnes Hamza zu beklagen haben, den Drang nach mehr Aufklärung und Konsequenzen von den Behörden. Für sie war die Einladung des Hanauer Oberbürgermeisters Claus Kaminsky zu einem stillen Gedenken an den Tatorten nur ein schwacher Trost.
Ein Gedenken ohne große Feier
In Hanau selbst wurde der sechste Jahrestag ohne große Gedenkzeremonie begangen. Stattdessen fand ein stilles Gedenken statt, und die Angehörigen wurden eingeladen, an zwei Tatorten innezuhalten. Diese Besinnung erinnert an die Herausforderungen, die die Betroffenen in der Aufarbeitung des Anschlags bewältigen müssen. Auch Iulia und Niculescu Păun, Eltern von Vili Viorel Păun, fordern Antworten. Ihr Sohn hatte versucht, die Polizei zu alarmieren, als er den Täter beobachtete. Die Umstände, unter denen er starb, werfen weiterhin Fragen auf, besonders hinsichtlich der technischen Ausstattung und der Personalausstattung des Notrufsystems, das in der entscheidenden Situation unzureichend war.
Wesentlich ist auch die Tatsache, dass es bis heute kein Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit dem Anschlag gegeben hat. Die Angehörigen mussten eigenständig Anzeigen erstatten, da die Staatsanwaltschaft Hanau bis dato keine eigenen Ermittlungen eingeleitet hat.
Rassismus bleibt ein drängendes Thema
Die Schockwellen des Anschlags und die Erfahrungen der Betroffenen stehen nicht isoliert da. Laut dem Rassismusmonitor erfahren fast die Hälfte der Menschen in Deutschland, die ethnischen oder religiösen Minderheiten angehören, regelmäßig rassistische Diskriminierung. Dies führt zu einer höheren psychischen Belastung, insbesondere bei rassistisch markierten Personen. Der Druck wird vor allem von Frauen in diesen Gruppen wahrgenommen, die tendenziell noch mehr als Männer von diesen Schwierigkeiten betroffen sind.
Die retrogade Ermittlungssituation, gepaart mit der Verzögerung jeglicher gerichtlicher Konsequenzen, lässt viele der Betroffenen und ihre Angehörigen mit einem unguten Gefühl zurück. Die Forderung nach mehr Aufklärung wird immer lauter, und der Gedenktag, auch wenn er in Vergessenheit zu geraten droht, bleibt ein ständiges Mahnmal dafür, was geschehen ist und was noch getan werden muss.
In der Summe zeigt sich, dass sich der Kampf gegen Rassismus noch lange nicht als gewonnen betrachtet werden kann. Es gibt viel zu tun, um die Wunden zu heilen, die dieser Anschlag und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten hinterlassen haben.