Rätsel um geheimnisvolles Tier in Pöcking: Fuchs oder Goldschakal?
In Pöcking sorgt ein rätselhaftes Tier für Aufregung unter Anwohnern und Experten. Eine Familie hat auf ihrer Terrasse Katzenfutter ausgelegt und mit einer Wildkamera dokumentiert, welches Tier sich nachts daran zu schaffen macht. Die ersten Beobachtungen zeigen, dass das Tier scheu und hungrig ist – eine ausgehungerte Katze wurde zunächst entdeckt, und um ihr zu helfen, richtete die Familie Radermacher eine Futterstelle ein. Die Kamera zeigt jetzt ein Tier, das vorsichtig um den Futternapf schleicht und schmatzend das Futter frisst. Doch was ist das für ein Geschöpf?
Die Sichtung hat verschiedene Spekulationen ausgelöst. Das Landratsamt brachte zunächst die Theorie ins Spiel, dass es sich um einen Goldschakal handeln könnte. Diese Art, etwas größer als ein Fuchs und kleiner als ein Wolf, ist in Deutschland angekommen und breitet sich seit den 1990ern zunehmend nach West- und Nordeuropa aus. Goldschakale sind dämmerungs- und nachtaktiv, scheu und werden selten persönlich gesehen – die meisten Beobachtungen stammen von Wildtierkameras. Nabu berichtet, dass diese Tiere in kleinen Familienverbänden leben und sich von kleinen Tieren, Insekten sowie Früchten ernähren.
Das Experten-Team teilt Meinungen
Doch der Vorsitzende des Jagdvereins Starnberg, Hartwig Görtler, widerspricht der Goldschakal-Theorie und vermutet vielmehr, dass es sich bei dem scheuen Tier um einen Jungfuchs handelt, der an Räude leidet. Diese Hautkrankheit könnte den kahlen Schwanz und das ungesunde Aussehen erklären. Interessanterweise lässt sich der Goldschakal durch seinen kürzeren Schwanz von einem Fuchs unterscheiden, dazu kommen die spitzen Ohren und das typische gelblich-graue Fell. Merkur hat aufgezeichnet, dass in Deutschland bis Januar 2021 bereits 80 Nachweise dieser Art erbracht wurden, doch die Unsicherheit über die Identität des Pöckinger Tieres bleibt.
Die Situation hat auch dazu geführt, dass die Familie aufgrund des Verhaltens des Tieres die Futterstelle bereits wieder abgebaut hat. Das Tier wollte anscheinend den Futternapf mitnehmen, was deutlich auf seine notdürftige Situation hinweist. Görtler empfiehlt, im Falle eines kranken Tieres Kontakt zur Unteren Jagdbehörde aufzunehmen, um gegebenenfalls eine Entnahme zu beantragen.
Goldschakal in Deutschland
Der Goldschakal ist eine interessante, aber auch umstrittene Art in Deutschland. Ursprünglich im Südosten Europas und auf dem Balkan beheimatet, hat sich die Art mittlerweile weit verbreitet. Der erste Nachweis in Deutschland fand 1997 in Brandenburg statt, wobei seit 2019 mehrfach Sichtungen dokumentiert wurden. In Baden-Württemberg gab es beispielsweise im ersten Halbjahr 2025 bereits 23 Sichtungen.
Diese Hundeart wird in der EU unter Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt. Es ist wichtig zu beachten, dass der Goldschakal keine direkte Gefahr für Menschen darstellt, dennoch sollte das Füttern vermieden werden. Die Auswirkungen auf die heimischen Ökosysteme sind noch nicht ausreichend erforscht, zumal Füchse Goldschakale meiden, was das gesamte Beziehungsgeflecht zwischen diesen Tieren beeinflussen könnte.
Wie die Dinge auch stehen, die Aufregung um das unbekannte Tier in Pöcking zeugt von der Faszination und den Herausforderungen, derer sich die Menschen in unserer modernen Umgebung mit der Natur stellen müssen. Ob es sich nun um einen verwahrlosten Jungfuchs oder einen Goldschakal handelt, bleibt abzuwarten – und wer weiß, vielleicht bringt die Wildkamera noch weitere Überraschungen ans Licht.
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