Dießen am Ammersee wird am 11. und 12. Juni zu einem Hotspot für alle, die sich mit dem Thema Mediensucht auseinandersetzen. Das Symposium, organisiert vom Fachverband Medienabhängigkeit, steht unter der Schirmherrschaft von Hendrik Streeck, dem Sucht- und Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Das Thema? „The Datafication of Life“ – ein gewaltiger Begriff, der die Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Denken, Verhalten und vor allem unsere psychische Gesundheit in den Fokus rückt. Immer mehr Menschen, vor allem Jugendliche, kämpfen mit den Schattenseiten der digitalen Welt, und genau darum geht es bei dieser Veranstaltung.
Die Zielgruppe ist vielfältig: Fachleute, Betroffene, Angehörige und alle Interessierten sind eingeladen, sich einzubringen und zu lernen. Die Veranstaltung thematisiert dringend benötigte Aspekte wie exzessive Smartphone-Nutzung, die Flut von sozialen Medien, Computerspiele und die digitale Reizüberflutung – all das, was unser tägliches Leben zunehmend beeinflusst. Bert te Wildt, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen, wird nicht müde, auf den Einfluss digitaler Medien auf unsere soziale Interaktion, unseren Schlaf und unsere emotionale Gesundheit hinzuweisen. Es ist eine Herausforderung, die nicht ignoriert werden kann.
Aktuelle Herausforderungen und Statistiken
Ein Blick auf die Zahlen lässt aufhorchen: Laut der WHO zeigen 11 % der Jugendlichen Anzeichen eines problematischen Verhaltens in Bezug auf soziale Medien. Mädchen sind hier mit 13 % stärker betroffen als Jungen (9 %). Das ist nicht nur eine Zahl, das sind real existierende Herausforderungen für viele Familien. Besonders erschreckend ist, dass 36 % der Jugendlichen ständig online mit Freunden in Kontakt stehen, was gerade bei den 15-jährigen Mädchen mit 44 % besonders auffällt. Es wird deutlich, dass die digitale Welt nicht nur ein zusätzlicher Raum ist, sondern für viele zur neuen Realität geworden ist.
Die Daten zeigen auch, dass 34 % der Jugendlichen täglich digitale Spiele spielen, wobei 22 % an Spieltagen sogar mindestens vier Stunden dafür aufwenden. Und das hat Konsequenzen: 12 % der Jugendlichen sind durch problematisches Spielverhalten gefährdet, wobei mehr Jungen (16 %) als Mädchen (7 %) betroffen sind. Das führt nicht nur zu Schlafmangel, sondern auch zu schlechteren schulischen Leistungen – eine Spirale, die sich immer weiter dreht.
Ein offener Dialog ist notwendig
Dr. Hans Henri P. Kluge von der WHO unterstreicht die Notwendigkeit von Medienkompetenz und fordert Maßnahmen wie Altersbeschränkungen für soziale Medien. Es ist klar, dass der Dialog über digitales Wohlbefinden in Familien und Schulen unerlässlich ist. Auch Dr. Natasha Azzopardi-Muscat hebt hervor, wie wichtig Schutzmaßnahmen für Jugendliche sind. Die Interventionen müssen altersgerecht und geschlechtersensibel sein, denn das Spielverhalten unterscheidet sich stark zwischen den Geschlechtern – ein Aspekt, der in der Diskussion oft zu kurz kommt.
Die Psychosomatische Klinik Kloster Dießen bietet bereits seit Jahren eine Behandlung für Internet- und Computerspielsucht an – eine sechs- bis achtwöchige stationäre Psychotherapie, die vielen jungen Menschen dabei hilft, wieder einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu finden. Das Symposium wird nicht nur Vorträge und Diskussionen bieten, sondern auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und therapeutische Ansätze vorstellen. Ein reicher Fundus an Wissen für alle, die sich mit diesem drängenden Thema auseinandersetzen möchten.
Wer mehr über die Veranstaltung erfahren möchte, findet alle Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung auf der Website des Fachverbands Medienabhängigkeit. Der Veranstaltungsort, Traidtcasten im Klosterhof 10, wird zum Treffpunkt für all jene, die die Herausforderungen der digitalen Welt nicht nur diskutieren, sondern aktiv angehen wollen. Es wird spannend, aufschlussreich und vielleicht auch ein bisschen unbequem – aber genau das brauchen wir, um die nächste Generation auf ihrem Weg in die digitale Zukunft zu unterstützen.
