Heute ist der 3. Mai 2026 und in Starnberg weht ein Hauch von Abschied durch die Straßen. Otto Gaßner und Winfried Wobbe, zwei herausragende Persönlichkeiten der Stadtpolitik, haben nach mehr als 70 Jahren gemeinsam im Stadtrat ihren letzten offiziellen Auftritt als Stadträte der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) gefeiert. Bei einer emotionalen Sitzung am 30. April 2026, die von den Bürgern und politischen Weggefährten mit großem Respekt und Anerkennung verfolgt wurde, haben sie ihren Rückzug aus der aktiven Politik bekannt gegeben.
Beide Männer sind seit 1996 untrennbar mit der Entwicklung Starnbergs verbunden. Gaßner, der im Alter von 74 Jahren die politische Bühne verlässt, hat eine ganz besondere Verbindung zur Stadtpolitik – sein Großvater war bereits in der Weimarer Republik Stadtrat. Ein Erbe, das ihn geprägt hat. Seine Laufbahn war gekennzeichnet durch bedeutende Projekte, darunter die Entwicklung der Seeanbindung und der Bau des Bahnhofs Nord, bei denen er sich leidenschaftlich engagierte. Besonders bedauert er, dass die Seeanbindung noch nicht in die Tat umgesetzt wurde. Und das, obwohl er fast 41 Jahre im Stadtrat saß!
Ein Leben für die Gemeinschaft
Winfried Wobbe, der mit 78 Jahren in den Ruhestand geht, kam als Elfjähriger nach Starnberg und hat sich nicht nur im Stadtrat, sondern auch in der Sport- und Musikszene einen Namen gemacht. 39 Jahre lang unterrichtete er am Gymnasium Starnberg und förderte Generationen von Schülern. Auch seine Stimme war entscheidend für den Bau des Bahnhofs Nord, der nicht ohne Kontroversen blieb. Dennoch blickt Wobbe auf kleinere Erfolge zurück, wie den Aktionstag „Starnberg bewegt“, der viele Bürger zusammenbrachte. Er und Gaßner teilen die Überzeugung, dass ehrenamtliches Engagement und Demokratie Hand in Hand gehen sollten.
Beide Politiker haben stets betont, dass sie für die Bürger Starnbergs arbeiten und sich als Spiegel des Bürgertums verstehen. Die UWG, deren Mitglieder sie sind, hebt sich durch ihre Unabhängigkeit von Parteileitungen und Weisungen hervor. Ihr Ziel? Den beruflich erworbenen Sachverstand für Starnberg nutzbar zu machen und wichtige Themen zu besprechen, die die Stadt betreffen – von der Seeanbindung und der Westspange bis hin zur Schulverpflegung und den Einkaufsmöglichkeiten an der Weilheimerstraße. „Wir konzentrieren uns auf die Stadt und ihre Bürger“, so die Philosophie der UWG.
Ein Erbe der Bürgerbeteiligung
Die beiden Männer, die in ihren letzten Reden auch die Wichtigkeit der Bürgerbeteiligung betonten, haben in den letzten Jahren durch runde Tische und Bürgerwerkstätten den Dialog mit den Bürgern gefördert. „Es ist entscheidend, die Menschen in die Entscheidungen einzubeziehen“, sagen sie unisono. Ihre Zusammenarbeit mit anderen politischen Spektren, wie der CSU, den Grünen und der SPD, war ein Beispiel für konstruktive Politik, die sich umweltbewusste Verkehrsentlastung zum Ziel setzte.
Wenn sie noch einmal die Möglichkeit hätten, würden sie sich sogar wieder zur Wahl stellen. „Wenn wir jünger wären, würden wir wieder kandidieren“, schmunzelt Gaßner, während Wobbe zustimmend nickt. Es ist klar, dass die beiden nicht nur für ihre politischen Erfolge stehen, sondern auch für die menschliche Seite der Politik. Ihre Geschichten und Erfahrungen bleiben ein wertvoller Teil der Starnberger Stadtgeschichte.