Am 12. Juni 2025 feiert die Telefonseelsorge ein ganz besonderes Jubiläum: 50 Jahre im Dienste der Menschen. Diese Institution hat sich seit ihrer Gründung zu einer tragenden Säule der Seelsorge entwickelt. Im Bistum Passau war Maria Lehner von 1978 bis 1987 eine der ersten Frauen, die bei der Telefonseelsorge tätig waren. Der Einstieg in diese verantwortungsvolle Aufgabe kam für sie nach einer anspruchsvollen Phase: Nach dem Verlust ihrer Arbeit im Beratungsdienst der Caritas aufgrund eines fehlenden Studiums wurde sie von einer Kollegin ermutigt, sich mit Pater Kleine in Verbindung zu setzen, was letztendlich zu ihrem Eintritt in die Telefonseelsorge führte. Dies berichtet Bistum Passau.
Lehner führte ihre Dienste in kleinen Kalenderbüchern, in denen jeder Einsatz vermerkt war, zum Beispiel am 25. Mai von 8 bis 13 Uhr. Besonders herausfordernd waren die Gespräche mit Daueranrufern, bei denen die Balance zwischen Zuhören und dem Setzen von Grenzen gefragt war. Ein Großteil der Anrufer kam aus ländlichen Gegenden und suchte oft Anonymität. Trotz der seltenen unmittelbaren Dankbarkeit, die sie erhielt, waren Rückmeldungen wie „Jetzt geht es mir besser“ für sie von großem Wert.
Ein Bedürfnis für die Zukunft
Die Nachfrage nach der Telefonseelsorge wächst, vor allem da die Seelsorge in den Pfarreien kontinuierlich abnimmt. „Heute wird die Telefonseelsorge mehr gebraucht denn je“, so Lehner, die mit ihrer Erfahrung auch heute noch einen wertvollen Beitrag leistet. Zehn Jahre nach ihrem Einstieg war sie maßgeblich an der Entwicklung der Dienste beteiligt und erinnert sich gerne an die Anfänge im Heiliggeistgarten und an das Wirken von Pater Kleine und Pater Wiesmann. Ihre Rolle beschreibt sie als eine Art Beichte am Telefon, was zeigt, wie intensiv die Gespräche dort sind.
Jährlich verzeichnet die Telefonseelsorge rund 35.000 Telefonkontakte, wie das Erzbistum München berichtet. Interessierte haben die Möglichkeit, Infoabende zu besuchen, um mehr über die Telefonseelsorge zu erfahren. Dies wird durch eine strukturierte Ausbildung ergänzt, die mit einer einjährigen Schulung zur seelsorglichen Gesprächsführung und Problemlösungsmethoden einhergeht. Interessant ist, dass kaum Abbrecher während dieser Ausbildung verzeichnet werden – ein Zeichen für die sorgfältige Auswahl der Interessierten.
Ehrenamtliche Seelsorger und ihre Ausbildung
Ehrenamtliche spielen eine zentrale Rolle in der Telefonseelsorge. Sie bringen nicht nur wertvolle Lebens- und Erfahrungsressourcen mit, sondern sind auch in weiteren Bereichen wie der Krankenhausseelsorge, Hospizbegleitung und Notfallseelsorge tätig. Eine fundierte Ausbildung ist dabei essenziell, wie aus Informationen des Zentrums Seelsorge hervorgeht. Diese beinhaltet nicht nur die Klärung der eigenen Rolle, sondern auch die Einübung in seelsorgliche Gesprächsführung. Bereits während ihrer Ausbildung haben die neuen Seelsorger die Möglichkeit, erste Schichten zu absolvieren und erfahrene Kollegen um Unterstützung zu bitten, wodurch sie optimal auf ihre Aufgabe vorbereitet werden.
Maria Lehner, die das Vertrauen in die Telefonseelsorge mit erlebt hat, sieht die zukünftige Entwicklung der telefonischen Angebote positiv. Es liegt auf der Hand, dass in der heutigen schnelllebigen Zeit die Möglichkeit, anonym Hilfe zu suchen und dabei auf wundervolle Unterstützung zu stoßen, ein unersetzbares Angebot bleibt – für die Anrufer und die Gesellschaft.