Heute ist der 26.10.2026, und in Neuburg-Schrobenhausen gibt es Neuigkeiten, die wie ein frischer Wind durch die Region wehen. Ein Jungstorch aus Schrobenhausen hat einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt, der selbst die erfahrensten Storchenexperten ins Staunen versetzt. Martin Schulze, ein wahrer Fachmann auf diesem Gebiet, erzählt von der außergewöhnlichen Zugroute des jungen Vogels, der über Italien und Sizilien geflogen ist, bevor er mutig die 240 Kilometer über das Mittelmeer nach Tunesien wagte. Dabei ist es tatsächlich eine Seltenheit, dass Störche so eine lange Strecke über offenes Wasser zurücklegen! Das ist schon ein Grund, sich zu freuen!

Die Daten, die die Vogelwarte Radolfzell mithilfe eines Senders erfasst hat, zeigen, dass der Storch am 2. Juni besendert wurde. Normalerweise fliegen Störche auf der Route über Spanien und Gibraltar nach Nordafrika, doch unser Held aus Schrobenhausen hat sich für die Abkürzung über Italien entschieden. Das ist schon ein Abenteuer für sich. Nach seiner Ankunft in Tunesien wurde der Funkkontakt jedoch schwächer – vielleicht ist er ja auf der Suche nach neuen Abenteuern!

Besondere Zugrouten und das Leben der Störche

Ganz in der Nähe von Neuburg-Marienheim wurde ein anderer Jungstorch in Sète, Südfrankreich, gesichtet. Er wurde während seiner Reise nach Süden beobachtet. Schulze hält es für unwahrscheinlich, dass dieser Vogel das Mittelmeer überquert hat. Man munkelt, dass er sich womöglich auf einer spanischen Mülldeponie ausgeruht hat. Auf diesen großen Müllkippen suchen Störche nach Futter – und manchmal bleiben einige von ihnen sogar dort, anstatt weiter nach Afrika zu ziehen. Wer kann ihnen das verdenken? Ein bisschen Leckeres muss man sich schließlich gönnen!

Die Besenderung dieser Störche erfolgt, um wichtige Informationen über ihre Zugrouten und Rastplätze zu sammeln. Die Zusammenarbeit zwischen dem Landesbund für Vogelschutz, der Vogelwarte Radolfzell und dem Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie ist da unverzichtbar. Bei diesem Satellitentelemetrie-Projekt wird jeder Sender, der mit einem hautfreundlichen Gurt wie ein kleiner Rucksack befestigt wird, zum Schlüssel für ein besseres Verständnis des Zugverhaltens. Und das gesamte System wiegt weniger als 70 Gramm – genau richtig für einen heranwachsenden Storch!

Die Störche und ihre Zugscheide

Die Zugscheide, ein faszinierendes Konzept in der Ornithologie, beschreibt Regionen, in denen benachbarte Populationen von Störchen unterschiedlich Zugrouten wählen. Das Phänomen ist besonders gut beim Weißstorch untersucht. Diese Vögel sind Meister im Segelflug, doch beim Überqueren des Mittelmeers und der Alpen sind sie auf Aufwinde über Land angewiesen. Die Sahara, mit ihrer riesigen Fläche und den extremen Wetterbedingungen, stellt eine weitere große Herausforderung dar. Je nach Lage ihres Brutplatzes ziehen die mitteleuropäischen Störche entweder südwestwärts über Gibraltar oder südostwärts über den Bosporus. Immer wieder in den Nachrichten – und auch in den Herzen der Menschen hier in Bayern.

Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen flogen in diesem Jahr 124 Jungstörche aus 54 Nestern aus. Eine beeindruckende Zahl, die zeigt, dass die Brutpaare hierzulande immer zahlreicher werden. Martin Schulze hat in diesem Jahr bereits 39 Jungstörche beringt und fünf mit Sendern ausgestattet. Wir können uns nur vorstellen, wie viel Herzblut und Engagement in dieser Arbeit steckt. Und auch wenn die wachsende Storchenpopulation manchmal als Belastung empfunden wird – Eingriffe oder Abwehrmaßnahmen sind nicht vorgesehen. Schließlich erwarten wir im kommenden Jahr erneut etwa 25 Storchennester in Schrobenhausen. Ein Grund zur Freude!