Heute ist der 19.05.2026, und wir blicken auf ein Thema, das uns alle betrifft – die Amphibien in unserer Region. Die Frösche und Kröten im Landkreis Neu-Ulm haben in den letzten Jahren einen dramatischen Rückgang erlebt. Ein Temperaturhoch im März hat sie aus ihren Winterquartieren gelockt, und sie machten sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Doch die Bedingungen sind alles andere als ideal. Viele von ihnen überqueren in feuchtwarmen Abendstunden die Straßen, nur um dann in den Fängen von Forstarbeiten, die ihre Wanderwege versperren, gefangen zu werden. Die Zahl der Amphibien ist mittlerweile auf ein Zehntel gesunken – das ist alarmierend!
Bernd Kurus-Nägele, Geschäftsführer einer Naturschutzorganisation, schildert die traurige Realität: Überwinternde Tiere werden durch schwere Maschinen erdrückt. Es sind nicht nur die Straßen, die ihre Lebensräume bedrohen, sondern auch der Verlust von natürlichen Feuchtgebieten. Immer mehr Laichgewässer sind wasserarm oder gar ausgetrocknet – die Situation wird immer prekärer. Im Frühjahr konnten dank Amphibienzäunen immerhin 1300 Tiere gerettet werden – das klingt nach viel, ist aber erschreckend wenig im Vergleich zu den 70 Prozent weniger Tieren, die 2010 geschützt werden konnten.
Gefahr durch Straßenverkehr und Lebensraumverlust
Auf verschiedenen Strecken wurden Amphibienzäune installiert, beispielsweise zwischen Hausen und Holzschwang, oder in Thalfingen und Pfuhl. Aber es bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahmen ausreichen, denn die Schwerpunkte der Wanderung liegen in den Talräumen, wo Wald an Tümpel oder Weiher grenzt. Dort braucht es mehr Schutz, denn die wandernden Amphibien sind im Straßenverkehr stark gefährdet. Im Juni, wenn die jungen Kröten und Frösche vom Laichgewässer in den Wald ziehen, ist besondere Vorsicht geboten. Wer tote Tiere auf Straßen sieht, kann diese beim Bund Naturschutz melden – das ist eine wichtige Aufgabe für uns alle.
Doch der Rückgang der Amphibien ist nicht nur ein lokales Problem. Eine globale Analyse zeigt, dass Amphibien die empfindlichsten Wirbeltiere sind. Laut IUCN gelten 41 Prozent aller Arten weltweit als bedroht. In den letzten 40 Jahren hat sich der Gefährdungsstatus von fast 800 Arten verschlechtert. Hauptursachen sind Habitatverlust, Klimawandel, Krankheiten und Verschmutzung. Besonders alarmierend: Über 2.600 Arten sind vom Habitatverlust betroffen. Diese Zahl spricht eine deutliche Sprache.
Erhalt der Artenvielfalt – eine gemeinsame Verantwortung
Obwohl es einige positive Beispiele für erfolgreichen Artenschutz gibt, wie den Melanophryniscus admirabilis, dessen Schutzmaßnahmen den Bau eines Wasserkraftwerks verhinderten, bleibt die Herausforderung groß. Nur 3,4 Prozent der globalen Schutzfinanzierung fließen in den Schutz von Amphibien. Das ist einfach zu wenig! Es braucht internationale Zusammenarbeit und strategische Ansätze, um die Artenvielfalt zu erhalten. Der Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework hat zwar globale Ziele definiert, doch ohne ausreichende Finanzierung und Koordination können wir nicht viel erreichen.
Die Zeit drängt, und es liegt an uns, aktiv zu werden. Wenn wir die Amphibien in unserer Region und darüber hinaus schützen wollen, müssen wir handeln. Es braucht mehr Bewusstsein, mehr Maßnahmen und vor allem mehr Liebe zur Natur, um diese faszinierenden Geschöpfe nicht zu verlieren. Denn eines ist sicher: Ohne sie wird unsere Umwelt ärmer und weniger lebendig.