Heute, am 8. Mai 2026, blicken wir auf die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) – ein Ort, der für viele von uns nicht nur eine Bildungsstätte ist, sondern Teil unserer Identität. So geht es auch einem Autor, der an der LMU Bachelor, Master und Promotion absolviert hat. In einem sehr persönlichen und bewegenden Liebesbrief an seine geliebte Alma Mater äußert er seine Besorgnis über eine aktuelle Vortragsreihe mit dem Titel „Die palästinensischen Universitäten und ihre besondere Beziehung zu Deutschland“. Diese Veranstaltung, die in den letzten Wochen für Aufregung sorgte, lässt Fragen aufkommen, die weit über die akademische Welt hinausreichen.

Der Autor kritisiert die Einseitigkeit der Diskurse, die Israel und seine Universitäten ausblenden. Er ist Teil des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender, das vor dieser Vortragsreihe gewarnt hat. In einem Raum, in dem wissenschaftliche Standards hochgehalten werden sollten, ist es alarmierend, dass Begriffe wie „Genozid“ und „Annihilation“ verwendet werden, ohne die Hamas und die Ereignisse vom 7. Oktober 2023 gleichwertig zu analysieren. Schockierende Vorfälle an der LMU, wie ein Sprengstoffanschlag auf ein israelisches Restaurant oder das Aufhängen einer Puppe am Galgen am Jom HaSchoa, sind Ausdruck einer besorgniserregenden Entwicklung. Dazu kommen antisemitische Schmierereien in den Universitäts-Toiletten, die von jüdischen Studierenden als bedrohlich empfunden werden.

Ein weiterer Blick auf die Realität

Gerade erst fand eine andere Veranstaltung an der LMU statt, die sich mit dem Thema Antisemitismus auseinandersetzte. Ludwig Spaenle, der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, zeigte sich erfreut über die hohe Teilnehmerzahl, trotz der gleichzeitigen Champions-League-Partie des FC Bayern gegen Paris Saint-Germain. Die Veranstaltungsreihe „Reden über …“ beleuchtet seit Jahren verschiedene Aspekte von Judenhass und Erinnerungskultur, und gerade jetzt ist das Thema aktueller denn je.

Spaenle wies auf die Zunahme von Antisemitismus hin, die seit dem Überfall der Hamas auf Israel spürbar ist. Jüdische Studierende berichten von Anfeindungen, wie einem Banner, das die „Erhängung Netanjahus“ forderte. Dies sind keine Einzelfälle – die LMU hat die antisemitischen Schmierereien zur Anzeige gebracht, doch wie lange wird es dauern, bis sich etwas ändert? Gastredner Armin Nassehi, Soziologieprofessor an der LMU, sprach über die Beständigkeit des Antisemitismus und dessen gesellschaftliche Funktion. Er beleuchtete, wie Antisemitismus oft als Feindkonstruktion genutzt wird, um eigene Probleme nicht anpacken zu müssen.

Ein melancholischer Abschied

Der Autor des Liebesbriefs appelliert an Dozierende und Studierende, wissenschaftliche Standards nicht einer politischen Einseitigkeit zu opfern. Dabei wird klar, dass die LMU eine komplexe Geschichte hat – sie galt während der NS-Zeit als „judenfreie“ Hochschule und war später ein Ort des Widerstands. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in den aktuellen Diskussionen wider. Immer wieder wird in der akademischen Welt über Israel und Antisemitismus kontrovers diskutiert, und Nassehi weist darauf hin, dass sogar innerhalb der jüdischen Gemeinschaft unterschiedliche Meinungen existieren.

Der emotionale Brief des Autors ist nicht einfach ein Protestschreiben, sondern ein Ausdruck von Enttäuschung und Trauer. Die LMU sollte ein Ort sein, an dem alle Studierenden, egal welcher Herkunft, sich sicher fühlen können und ihre Identität frei ausleben dürfen. Doch für viele jüdische Studierende ist das Sprechen in Hebräisch oder das Zeigen des Davidsterns mittlerweile mit Angst verbunden. Diese Realität ist alarmierend und verlangt nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir als Gesellschaft mit Antisemitismus umgehen.