Kuchentratsch: Wo Omas Geheimrezepte und Lebensfreude aufeinandertreffen
In München, genauer gesagt an der Theresienhöhe, gibt es ein ganz besonderes Café, das nicht nur für seine leckeren Kuchen bekannt ist, sondern auch für die Menschen, die sie backen. Im „Kuchentratsch“ stehen Seniorinnen und Senioren am Herd, um „Omakuchen“ zu zaubern. Das Konzept, das 2014 von Katharina Mayer ins Leben gerufen wurde, verfolgt ein heeres Ziel: Isolation und finanzielle Einbußen im Alter entgegenzuwirken. Hier können die älteren Herrschaften, bis zu 60 an der Zahl, ihrer Leidenschaft fürs Backen nachgehen und gleichzeitig soziale Kontakte knüpfen.
Die Idee kam Katharina Mayer, als sie sich fragte, wo man guten Kuchen bekommt, wenn die eigene Oma nicht mehr backen kann. Mit dieser Frage im Hinterkopf startete sie das Projekt in einem Hinterhof an der Landsberger Straße. Die Beliebtheit des Cafés schoss 2017 durch die VOX-Show „Die Höhle der Löwen“ in die Höhe. Investoren wie Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl waren begeistert und wurden Teil des Ganzen. Doch die Corona-Pandemie stellte alles auf den Kopf – das Café musste Insolvenz anmelden, und der Versuch, das Projekt mit Backmischungen zu retten, schlug fehl.
Ein Neuanfang und das Herz des Cafés
Im Jahr 2022 übernahm die bayerische Bäckereikette Höflinger-Müller das Ruder. Das neue Café öffnete 2023 an der Theresienhöhe seine Türen und gibt dem Konzept eine neue Chance. Hier können die leckeren Kuchen nicht nur vor Ort genossen, sondern auch online bestellt werden. Der Onlineshop liefert nicht nur nach Deutschland, sondern auch nach Österreich, in die Schweiz und sogar bis nach Barcelona. Ein wahrlich internationaler Genuss!
Die Seniorinnen und Senioren bringen ihre eigenen Rezepte mit, die oft von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Jeder Kuchen erzählt eine Geschichte – wie der beliebte Karottenkuchen von Oma Irmgard oder die unwiderstehlichen Mininussecken von Oma Renate. Dabei wird ausschließlich mit natürlichen Zutaten gearbeitet, ganz ohne künstliche Aromen oder Zusatzstoffe. Das Sortiment umfasst sogar vegane Kreationen, die nicht nur Pflanzenliebhaber begeistern.
Gemeinschaft und Lebensfreude
Einer der fleißigsten Bäcker im Kuchentratsch ist die 72-jährige Oma Monika, die seit 2018 mit Herz und Hingabe backt. Für sie ist das Engagement nicht nur ein Job, sondern auch eine Quelle der Freude und sozialen Interaktion. „Ich suche nach einem Hobby und nach Gemeinschaft“, erzählt sie mit einem warmen Lächeln. Hier ist jeder willkommen und das Backen wird zur gemeinsamen Leidenschaft. Die Ausstattung der Backstube wurde übrigens über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert – ein weiteres Beispiel dafür, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt.
Die Atmosphäre im Café ist herzlich und einladend. Hier wird gelacht, Geschichten erzählt und die Backstube ist ein Ort des Schaffens und der Freude. Das Ziel von Kuchentratsch ist klar: Das Leben der Seniorinnen und Senioren lebenswerter machen und gleichzeitig den Gästen die besten Kuchen der Stadt servieren. Das ist mehr als nur ein Café – das ist ein Ort, an dem Generationen zusammenkommen und das Leben in vollen Zügen genossen wird.
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