Heute, am 24. Mai 2026, ist im Landkreis Mühldorf mal wieder der Zauber des Pfingstrosensammelns spürbar. Die Luft ist erfüllt von Vorfreude und der Duft frisch gebrühter Kaffee zieht durch die Straßen. Hier, in der malerischen Kulisse von Bayern, sind die 18 Dirndl aus Erharting bereit, ihre Tradition in vollen Zügen zu leben. Die Erhartinger Dirndlschaft hat sich im letzten Jahr gegründet und bringt frischen Wind in die altehrwürdige Praxis.
Was genau ist das Pfingstrosensammeln? Traditionell besuchen die Dirndlgruppen die Burschengruppen oder auch private Gastgeber an Pfingsten. Mit handgeschriebenen Einladungen – das hat einfach Stil! – laden die Burschen die Frauen ein, um gemeinsam zu feiern, zu essen und zu trinken. Und natürlich, um die Pfingstrosen zu überreichen, die als Symbol für den Kontakt zwischen unverheirateten Frauen und Männern dienen. Schon beim Gedanken daran wird einem warm ums Herz.
Ein bunter Tag voller Tradition
Der Tag beginnt früh, denn die Dirndl müssen vorbereitet werden. Schminke, Frisuren und das traditionelle Dirndl anziehen – das ist alles Teil des Rituals. Nach einem gemeinsamen Frühschoppen, bei dem die Stimmung schon mal angeheizt wird, geht es dann mit dem Bus von Sonja von Hinmüller Reisen auf Tour. Zehn Stationen warten darauf, besucht zu werden. Die Reise führt durch Pleiskirchen, Mettenheim, Polling, Unterneukirchen und Wurmannsquick, bis es schließlich zurück zu den eigenen Burschen in Erharting geht.
Eine ganz besondere Einladung kam aus Mettenheim – ein handgeschriebener Brief, das ist schon fast romantisch. Das „Oakarrern“, eine umgekehrte Variante des Brauchs, bringt zusätzliche Würze in die Feierlichkeiten. Doch die Dirndlschaft hat einen klaren Fokus: Es geht um Gemeinschaft und Feiern, weniger um das Anbandeln. Eigentlich ganz erfrischend, oder?
Gemeinschaft und Zusammenhalt
Der Altersdurchschnitt der Teilnehmerinnen liegt Mitte 20. Die Dirndl kommen aus Erharting, Töging, Pleiskirchen und der Umgebung. Da wird das Zusammenwachsen der Gruppe großgeschrieben. Es ist nicht nur eine Feier, sondern auch eine Möglichkeit, Freundschaften zu knüpfen und alte Bande zu festigen. Wenn man durch die Straßen zieht, sieht man die strahlenden Gesichter der Frauen, die sich in ihren bunten Dirndln präsentieren. Der Spaß und die Freude sind förmlich greifbar.
Natürlich gibt es auch die eine oder andere Anekdote, die im Laufe des Tages erzählt wird. Man könnte sagen, das Pfingstrosensammeln ist eine Art lebendiges Geschichtsbuch, in dem jede Teilnehmerin ihre eigene Geschichte schreibt. Mit jeder Pfingstrose, die überreicht wird, wird ein kleines Stückchen Tradition weitergegeben. Und so fließt der Tag im Zeichen der Gemeinschaft, des Lachens und der Freude dahin, während die Sonne über den bayerischen Himmel gleitet.