Ein schockierendes Kapitel in der Stadtgeschichte Mühldorf: Der ehemalige Kämmerer wurde kürzlich wegen schwerwiegender Vergehen verurteilt. In einer Entscheidung des Amtsgerichts Mühldorf am Inn erhielt der Mann eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, die jedoch zur Bewährung auf zwei Jahre ausgesetzt wurde. Dies berichtet BR24.

Das Gericht befand den ehemaligen Beamten in 36 Fällen der Untreue schuldig und in acht Fällen des Betrugs. Zudem kam es zu Verurteilungen wegen Körperverletzung, Beleidigung und sexueller Belästigung. Der Kämmerer, der bis zum Herbst 2021 im Amt war, gestand die Vorwürfe über seine Verteidiger und akzeptierte eine für ihn reduzierte Strafe, da die Staatsanwaltschaft ursprünglich mit einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten und einem Wertersatz von 5.000 Euro gerechnet hatte. Auf die Verfolgung von kleineren Untreue-Fällen wurde verzichtet, da das Gericht nur die schwereren Vergehen berücksichtigte.

Die Vorwürfe im Detail

Die Vorfälle, die zur Verurteilung führten, waren vielfältig. Zwischen 2017 und 2021 wurden dem ehemaligen Kämmerer insgesamt 289 Fälle von Untreue angelastet, die zusammen eine Schadenssumme von über 12.000 Euro ausmachten. Zu den konkreten Vorwürfen zählt nicht nur die Unterschlagung städtischer Gelder, sondern auch die unsachgemäße Behandlung von Briefwahlunterlagen während seiner Tätigkeit als Wahlvorstandsmitglied. Auch das Verhalten gegenüber Mitarbeitern war problematisch: Es wurde berichtet, dass er bei fünf Gelegenheiten Mitarbeiter geschlagen oder verbal erniedrigt und eine Mitarbeiterin sexuell belästigt haben soll.

Die interne Aufklärung dieser Vorfälle wurde durch einen Tipp aus den eigenen Reihen angestoßen, was schließlich zu einer Sonderprüfung durch den Kommunalen Prüfungsverband führte. Dies machte eine Zwangsbeurlaubung im Dezember 2024 notwendig, gefolgt von einer Suspendierung. Der ehemalige Stellvertreter des Kämmerers, der nicht verbeamtet war, wird ebenfalls nicht mehr für die Stadt arbeiten.

Der Richter und die Folgen

Der Vorsitzende Richter bezeichnete die Taten als „Kern“ des Verfahrens und stellte fest, dass die lange Verfahrensdauer dem Angeklagten letztlich zugutekam. Dieser zeigte sich reuig und äußerte, dass er vieles heute anders machen würde. In der Zeit der Suspendierung hat er gesundheitliche Probleme entwickelt, für die er in Behandlung ist.

Was die finanziellen Folgen angeht, so wurden die Dienstbezüge des Verurteilten im Dezember 2024 um 30 Prozent auf 3.800 Euro pro Monat gekürzt. Das Disziplinarverfahren gegen ihn ist zwar ausgesetzt, jedoch könnte eine zukünftige Kürzung seiner Pensionsansprüche bevorstehen. Zudem war eine frühere Disziplinarverfügung der Landesanwaltschaft Bayern vor dem Verwaltungsgerichtshof gescheitert.

Die Geschehnisse rund um den ehemaligen Kämmerer werfen auch größere Schatten auf die Integrität im öffentlichen Dienst. Wie in einem Artikel auf Haufe dargelegt, sind Korruptionsprävention und Compliance wichtige Themen in der öffentlichen Verwaltung, um das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen zu wahren.

Die Urteilsverkündung in Mühldorf ist nicht nur ein persönlicher Rückschlag für den ehemaligen Kämmerer, sondern auch ein Weckruf für die gesamte Verwaltung. Die Bürger haben einen Anspruch auf Transparenz und Integrität in ihren Institutionen.