Die neue Lebensretter-App hat Anfang 2023 in Aschaffenburg sowie den Landkreisen Aschaffenburg und Miltenberg das Licht der Welt erblickt. Das Hauptziel dieser innovativen Initiative ist die Erhöhung der Überlebenschancen bei Herz-Kreislauf-Stillständen. Um das zu erreichen, können sich qualifizierte Ersthelfende seit dem 1. März 2026 registrieren. Nach einer Überprüfung ihrer Qualifikationen werden sie freigeschaltet, um im Notfall schnellstmöglich Hilfe leisten zu können. Die integrierte Leitstelle hat die Möglichkeit, registrierte Ersthelfer in der Nähe des Notfalls zu orten und alarmieren, was entscheidend ist, da die ersten 3 bis 5 Minuten für das Überleben eines Patienten von größter Bedeutung sind.
In diesen kritischen Minuten können Ersthelfer die Überlebenschancen eines Betroffenen sogar verdoppeln bis vervierfachen. Die Lebensretter-App ergänzt bestehende Systeme wie die Helfer vor Ort und First-Responder-Einheiten. Interessanterweise unterstützt die Initiative „Region der Lebensretter“ die Helfenden nicht nur bei technischen und medizinischen Fragen, sondern bietet auch psychosoziale Unterstützung, die direkt in der App angefordert werden kann. Zudem haben über 200 qualifizierte Ersthelfer von der Möglichkeit zur Registrierung Gebrauch gemacht, was den ersten Schritt in Richtung eines flächendeckenden Netzes öffentlicher Defibrillator-Standorte darstellt, wie auf der Website www.regionderlebensretter.de zu finden ist.
Die Rolle der App und aktuelle Forschungsprojekte
Zusätzlich zur Lebensretter-App gibt es ein spannendes Forschungsprojekt am Zentrum für Notfall- und Rettungsmedizin des Freiburger Universitätsklinikums, das auf den Namen „HEROES-Studie“ hört. Ziel dieses Projekts ist es, das therapiefreie Zeitintervall bei Herzstillständen durch ein Smartphone-basiertes Ersthelfersystem zu verkürzen. Die Deutsche Herzstiftung fördert dieses ehrgeizige Vorhaben mit 47.500 Euro. Hierbei werden medizinisch geschulte Ersthelfer über eine App alarmiert, um in der Zeit zwischen dem Notruf und dem Eintreffen des Rettungsdienstes lebensrettende Maßnahmen wie Herzdruckmassage, Beatmung und die Anwendung eines Defibrillators (AED) durchzuführen.
Die Koordination der HEROES-Studie liegt in den Händen von Dr. Jan-Steffen Pooth, einem erfahrenen Notfallmediziner, während die Leitung von Prof. Dr. med. Michael Patrick Müller übernommen wird. Dieser innovative Ansatz zeigt, wie wichtig es ist, die Zeit bis zum Eintreffen von Rettungsdienst und Notarzt zu überbrücken, um die Überlebenschancen der Patienten zu erhöhen.
Alarmierung und Unterstützung für Ersthelfer
In der Integrierten Leitstelle (ILS) Würzburg wird bei einem Notruf mit Verdacht auf Herzstillstand ein Netzwerk von Helfern im Umkreis von etwa 400 Metern alarmiert. Die App führt diese Helfer nicht nur zum Einsatzort, sondern visualisiert auch die erforderlichen Reanimationsschritte und gibt den Rhythmus für die Herzdruckmassage vor. Dabei werden nicht nur zwei Helfer direkt zum Patienten geschickt, sondern auch weitere Helfer zum nächstgelegenen Defibrillator. Parallel dazu erfolgt die Alarmierung von Rettungswagen, Notarzt und First-Responder.
Die Voraussetzungen für die Registrierung als Ersthelfer beinhalten das Mindestalter von 18 Jahren sowie einen Nachweis über einen Ersthelferkurs. Besonders angesprochen werden Personen im Rettungsdienst, Pflege, Feuerwehr, anderen Hilfsorganisationen und auch Medizinstudenten. Zum Start der App haben sich bereits 477 Personen registriert, die zunächst geprüft und dann freigeschaltet werden müssen.
Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen ergibt sich aus den aktuellen Zahlen: Laut einem Bericht der Bayerischen Staatsregierung ist die Anzahl der Notfalleinsätze in den letzten zehn Jahren um 19% in kreisfreien Städten und um 28% in Landkreisen gestiegen. Angesichts der Tatsache, dass der Rettungsdienst innerhalb von zwölf Minuten am Einsatzort sein sollte, sind die ersten Maßnahmen durch Ersthelfer besonders entscheidend. Notfallmediziner Thomas Wurmb ermutigt die Bevölkerung, in Notfällen aktiv zu helfen, da die Überlebenschancen ohne Wiederbelebungsmaßnahmen pro Minute um 10% sinken.