Die Hegeschau der Kreisgruppe Miesbach im Bayerischen Jagdverband (BJV) fand kürzlich auf Gut Kaltenbrunn statt. Vize-Bürgermeister Herbert Kozemko begrüßte die Besucher mit seinem treuen Jagdhund an seiner Seite. Die Veranstaltung thematisierte die aktuellen Herausforderungen im Wildtiermanagement, die nicht nur in Miesbach, sondern in ganz Bayern und darüber hinaus von Relevanz sind.
Ein zentraler Punkt der Diskussion war der Konflikt um die Wildfütterung in Rottach-Egern. Die Rottacher Jagdvorsteher haben sich entschieden, das bisherige Fütterungskonzept über Bord zu werfen, um den Wildbestand zu reduzieren. Dabei soll ein Austausch einheimischer Jäger mit auswärtigen Jägern erfolgen. Stefan Kramer, Abteilungsleiter Forsten, äußerte sich kritisch über die hohen Rotwildbestände und forderte eine höhere Abschussquote. Die Abschusszahlen für 2025 zeigen, dass beim Rehwild das Soll von 3379 mit 3052 geschossenen Tieren (30%) noch nicht erreicht wurde, während beim Rotwild 1198 erlegt werden sollten, jedoch nur 936 (78%) tatsächlich geschossen wurden.
Ein facettenreicher Dialog
Wolfgang Mayr, der Vorsitzende der BJV-Kreisgruppe Miesbach, kritisierte die ausschließliche Lösung von Wildschäden durch Abschüsse. Diese Sichtweise spiegelt die Herausforderungen wider, die im Wildtiermanagement im Allgemeinen bestehen. Die Akzeptanz von Wildarten variiert stark. Während der Feldhase eine hohe Akzeptanz genießt, wird das Wildschwein oft mit Schäden und der Ausbreitung von Krankheiten assoziiert. Ähnlich verhält es sich mit dem Kormoran, der häufig Konflikte verursacht.
Die Diskussion über flexible Jagd- und Schonzeiten je nach Wetter- und Schneelage wurde ebenfalls angestoßen. Kreisbäuerin Brigitta Regauer berichtete von steigenden Rotwildbeständen nach der Beendigung der Fütterungen in der Nachbarschaft. Landrat Olaf von Löwis betonte die Wichtigkeit des Dialogs zwischen Jägern, Waldbesitzern und Behörden. Solche Gespräche sind unerlässlich, um Lösungen zu finden, die sowohl den Bedürfnissen der Jagd als auch dem Naturschutz gerecht werden.
Neue Herausforderungen im Fokus
Bayerns Jagdkönigin Diana Merkle sprach über die Faszination der Jagd und die Verantwortung, die damit einhergeht. In diesem Kontext wurde auch Sepp Hartl als neuer zweiter Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe vorgestellt, während Jakob Huber den Posten des dritten Vorsitzenden innehat. Wolfgang Mayr kritisierte zudem die Verunglimpfung der Jägerschaft durch die Tierschutzorganisation PETA, was den emotionalen Konflikt um die Jagd weiter anheizt.
Das Wildtiermanagement steht vor vielfältigen Herausforderungen. Die Lebensräume der Wildtiere werden durch Flächenverbrauch und Landschaftszerschneidung immer kleiner. Die Nachfrage nach Naturerlebbarkeit sowie die touristische Infrastruktur beanspruchen bisher wenig gestörte Lebensräume und führen zu großen, emotional geführten Interessenskonflikten. Ein professionelles und nachhaltiges Wildtiermanagement ist daher unerlässlich, um die Balance zwischen den verschiedenen Interessen zu wahren. Eine Allianz verschiedener Akteure und Institutionen könnte hier der Schlüssel zur Bewältigung der Herausforderungen sein.
Als abschließende Überlegung bleibt zu sagen, dass ein respektvoller und konstruktiver Dialog zwischen den Beteiligten nicht nur für die Jagd, sondern auch für den Naturschutz von entscheidender Bedeutung ist. Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen meistern und eine nachhaltige Zukunft für unsere Tierwelt sichern.