In Miesbach wurde kürzlich eine neue Wohngemeinschaft für körperlich beeinträchtigte junge Menschen eingeweiht, die sich als echtes Vorzeigeprojekt erweist. Max Huttner, selbst von einer Form der Parkinson-Erkrankung betroffen, hatte den Traum, eine Gemeinschaftsunterkunft zu schaffen, die Selbstbestimmung und Eigenständigkeit für Menschen mit Behinderung ermöglicht. Der Tag der offenen Tür lockte mehr als 100 Gäste an, darunter auch Landrat Jens Zangenfeind und Bürgermeister Thomas Acher, die gemeinsam den wichtigen Schritt in eine inklusive Zukunft würdigten. Zangenfeind versprach, die Initiative durch Unterstützung vom Landratsamt zu fördern, während Acher die unermüdliche Anstrengung der Familie Huttner und des Vereins „Wohnen mit Handicap in Miesbach“ lobte. Die Behindertenbeauftragte Elisabeth Neuhäusler, die das Projekt seit drei Jahren begleitet, sprach offen über die Herausforderungen, die das Vorhaben mit sich brachte.

Eine besondere Segnung der Wohngemeinschaft durch Vertreter der Freikirche Rosenheim sowie der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde verlieh dem Ereignis einen feierlichen Charakter. Die WG, die seit ihrer Gründung sechs Bewohner beherbergt und von einem Pflegedienst unterstützt wird, ist in Max’ Heimatstadt Miesbach angesiedelt. Im Frühjahr 2023 begannen die Huttners mit der Planung, und schon jetzt ist der monatliche Stammtisch im Bunten Haus ein fester Bestandteil, der nicht nur der Informationsweitergabe dient, sondern auch dazu, weitere Unterstützer zu gewinnen.

Ein Schritt zur Inklusion

Diese Wohngemeinschaft steht beispielhaft für die zunehmende Wichtigkeit von inklusiven Quartieren. Inklusion zielt darauf ab, allen Menschen, unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten, die Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Hierbei spielen Faktoren wie soziale und kulturelle Herkunft, Alter sowie körperliche und geistige Verfassung eine tragende Rolle. Gemeinden arbeiten häufig Hand in Hand mit verschiedenen Organisationen, um diesen Weg zu ebnen. Besonders wichtig ist, dass künftige Bewohner bei der Planung dieser Wohnformen aktiv eingebunden werden, um ein Umfeld zu schaffen, das ihren Bedürfnissen gerecht wird, so berichtet die Aktion Mensch, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einsetzt.

Das Recht auf selbstbestimmtes Wohnen ist zudem in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert. Gemäß Artikel 19, der 2009 in Deutschland ratifiziert wurde, sollen Menschen mit Behinderung die Freiheit haben, ihren Wohnort zu wählen und nicht in speziellen Einrichtungen leben zu müssen. Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) von 2016 verfolgt dieses Ziel, hat jedoch mit einer schleppenden Umsetzung bis heute zu kämpfen. Während immer mehr Menschen mit Behinderungen eine Selbstbestimmung anstreben, leidet der Markt an einem Mangel an geeigneten, barrierefreien Wohnräumen.

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Die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt

Die Daten sprechen für sich: In Deutschland fehlen rund 700.000 Wohnungen, was die Situation für Menschen mit Behinderung erheblich erschwert. Der Trend zur Ambulantisierung zeigt, dass viele Menschen in einer eigenen, barrierefreien Unterkunft leben möchten, jedoch ist der Zugang zu solchen Wohnungen oft ein steiniger Weg. Zudem ist die Zahl der Personen, die in besonderen Wohnformen leben, von 2019 bis 2022 um 3 % gesunken, was eine positive Entwicklung darstellt, aber nicht ausreicht, um den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden.

Das Miesbacher Beispiel zeigt, dass mit Engagement und der richtigen Unterstützung viel erreicht werden kann. Auch wenn der Weg zur Inklusion noch lang ist, stellen Initiativen wie diese einen Lichtblick dar, der Hoffnung für eine inklusive Zukunft weckt. Die gemeinsame Arbeit von Politik, Verbänden und engagierten Bürgern ist entscheidend, um die Barrieren auf dem Weg zum selbstbestimmten Wohnen abzubauen und die Lebensqualität für Menschen mit Behinderung zu verbessern. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Entwicklungen rund um die Wohngemeinschaft in Miesbach weiter gestalten und welchen positiven Einfluss sie auf die lokale Gemeinschaft ausüben wird.

Merkur berichtet
Aktion Mensch berichtet
bpb berichtet

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