In der malerischen Region Tegernsee hat sich in den letzten Monaten einiges getan, insbesondere in Bezug auf das Thema Sturzflut-Risikomanagement. Die Stadt hat nun ein umfassendes Konzept für den nördlichen Stadtbereich, das von Florian Brodrecht von der Spekter GmbH im Stadtrat vorgestellt wurde, fertiggestellt. Dieses Konzept ist ein wichtiger Schritt, nachdem Tegernsee bereits im Jahr 2022 eine der ersten Kommunen im Landkreis war, die ein solches Risikomanagement-Konzept in Angriff nahm.
Das neue Konzept umfasst eine detaillierte Bestandsanalyse, Gefahrenermittlung sowie Risikobeurteilung. Insgesamt wurden 17 Risikobereiche evaluiert, die besonders anfällig für Sturzfluten sind. Ein zentrales Ziel ist es, die Schutzziele auf das HQ 100 zu erhöhen, wobei zusätzlich ein Klimazuschlag von 15 % berücksichtigt wird. Die Stadt plant, die Bürger umfassend über die Maßnahmen zu informieren und hat bereits eine Info-Veranstaltung für den 30. April im Quirinal angesetzt.
Eigenverantwortung der Bürger und Herausforderungen
Besonders wichtig ist es, dass Hauseigentümer zur Eigenvorsorge verpflichtet sind, vor allem in Bezug auf Lichtschächte und Kellerabgänge. Vize-Bürgermeister Michael Bourjau hat Bedenken hinsichtlich der finanziellen Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen geäußert. Dennoch ist es unerlässlich, die Herausforderung durch die steigenden Niederschläge, die durch den Klimawandel verstärkt werden, anzugehen.
Die Stadt hat bereits Maßnahmen zur Anpassung der Infrastruktur ins Auge gefasst. Kritische Punkte dabei sind die B 307 (Münchner Straße), die Parkplatzsituation an der Seesauna sowie die Max-Josef-Straße, die bei extremen Starkregen zu Überflutungen führen kann. Auch die Bahnhofstraße in der Nähe der Alpbachbrücke stellt ein Risiko dar. Hier könnten Brückensanierungen eine Lösung bieten. Die nächsten Schritte sehen eine Überprüfung der Machbarkeit der geplanten Maßnahmen vor, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.
Der Klimawandel als treibende Kraft
Der Hintergrund dieser Maßnahmen ist alarmierend: Der aktuelle Bericht der Arbeitsgruppe I des Weltklimarats (IPCC) hat im August 2021 eindringlich darauf hingewiesen, dass die Oberflächentemperatur der Erde schneller steigt als je zuvor in den letzten 2000 Jahren. Diese Erderwärmung führt zu einer Zunahme von Extremwetterereignissen, darunter auch Starkregen, die für Gemeinden wie Tegernsee immer größere Risiken darstellen.
Die menschlichen Aktivitäten, insbesondere die Emission von Treibhausgasen, sind die Hauptursache für diese Veränderungen. Extremwetterereignisse, die früher einmal alle 100 Jahre auftraten, könnten bald jährlich Realität werden. Es wird dringend empfohlen, Maßnahmen gegen die Klimakrise zu ergreifen, um die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und die Anpassung an die klimatischen Veränderungen zu fördern.
Für Tegernsee bedeutet dies, dass eine Kombination aus Eigenverantwortung der Bürger, finanzieller Unterstützung und pragmatischen Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes unerlässlich ist. Nur so kann die Stadt auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren und die Sicherheit aller Bürger gewährleisten.