In Miesbach, wo die Tradition noch mit jedem Atemzug zu spüren ist, schlägt das Herz der Gemeinde für die Portiunkulakirche. Diese ehrwürdige Stätte, im Jahr 1658 erbaut, hat in den letzten Monaten eine schwere Zeit durchgemacht. Seit fast einem Jahr steht die Kirche leer und ist für die Allgemeinheit nicht zugänglich. Nur einige wenige, darunter der Architekt, der Statiker und der Zimmerermeister Hans Köpferl, dürfen die heiligen Hallen betreten. Diese Exklusivität hat ihren Grund: Die Kuppel der Kirche ist marode und bedarf dringend der Aufmerksamkeit.

Die Zimmerei Köpferl hat sich dem Projekt angenommen. Mit viel Fingerspitzengefühl und handwerklicher Präzision wurde ein komplexes Stützgerüst aus neun Meter langen Fichtenbalken errichtet, das nun die marode Kuppel stützt. Acht dieser Balken, jeder wie ein kleiner Baum, sind 20×20 cm stark und wiegen stolze 200 kg. Mit einem Flaschenzug wurden sie mühsam in die richtige Position gebracht. Unter den Dielenbrettern der Kuppel wurden stark beschädigte Balken gefunden, was die Herausforderung noch größer macht. Dazu kommen vier 5,5 Meter lange Balken, die kreuzförmig unter das Gewölbe geschraubt wurden, um die Stabilität zu erhöhen. Ein Flies schützt das beeindruckende Deckenfresko davor, in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Ach, wie schön war es doch, als die ersten Bankreihen entfernt wurden, um den Fliesenboden zu schonen!

Die Herausforderungen der Sanierung

Doch trotz all der Bemühungen ist die Sanierung der Portiunkulakirche momentan in weiter Ferne. Der 71-jährige Hans Köpferl, der bereits zehn Kirchtürme in der Umgebung instand gesetzt hat, sieht dieses Projekt als besonders komplex und teuer an. Die Finanzierung? Unklar. Das macht die Aussicht auf eine baldige Renovierung trübe. „Ich befürchte, dass ich die Sanierung nicht mehr selbst durchführen kann“, äußert Köpferl mit einem Anflug von Sorge in der Stimme. Die Jahre vergehen, und die Zeit bringt nicht nur Patina, sondern auch eine gewisse Melancholie mit sich.

In der Gemeinde gibt es viele, die die Kirche als einen wichtigen Teil ihrer Identität ansehen. Die Portiunkulakirche ist nicht nur ein Gebäude; sie ist ein Ort des Glaubens, des Zusammenkommens und der Tradition. Die Menschen vermissen das alte Gemäuer, das ihnen so viele Erinnerungen und Momente des Friedens geschenkt hat. Die Frage bleibt: Wie soll es weitergehen? Ohne klare Finanzierung und einen Plan ist die ungewisse Zukunft der Kirche ein Thema, das die Gemüter bewegt. Die Hoffnung auf Besserung bleibt, denn Miesbach ist ein Ort, der nicht so schnell aufgibt.

VeloCore Medium

So bleibt die Portiunkulakirche ein Symbol für das, was sich in vielen kleinen Gemeinden abspielt: der Kampf um den Erhalt von Geschichte und Kultur, die tief in den Herzen der Menschen verankert ist. Ein Ort, der, solange er steht, auch die Geschichten derer erzählt, die ihn besucht haben. Und vielleicht, nur vielleicht, wird eines Tages ein neuer Glanz über die marode Kuppel strahlen. Bis dahin bleibt die Geduld gefragt, und die Hoffnung, dass die Sanierung nicht nur ein ferner Traum bleibt.

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