Heute ist der 5.05.2026 und während wir hier in Lindau am Bodensee die frische Luft genießen, sorgt eine Ausstellung in Zürich für Aufregung und Gesprächsstoff. Das Kunsthaus Zürich hat die Sammlung Bührle eröffnet – ein wahres Sammelsurium an Gemälden, das von den Meisterwerken des Mittelalters bis hin zur klassischen Moderne reicht, mit einem besonderen Fokus auf den Impressionismus. Was auf den ersten Blick wie ein Fest für Kunstliebhaber aussieht, birgt jedoch dunkle Schatten aus der Vergangenheit.

Die Sammlung umfasst beeindruckende Werke von Größen wie Courbet, Monet, Renoir, Cézanne, van Gogh, Picasso und Bacon. Doch nicht nur die Kunstwerke selbst sind bemerkenswert; auch die Art der Präsentation hat für Zündstoff gesorgt. Die „Petersburger Hängung“ – ein Konzept, das die Werke eng beieinander platziert – hat einige Kritiker auf den Plan gerufen. Es wird außerdem immer wieder auf die Herkunft der Exponate hingewiesen: Viele gelten als Raub- oder Fluchtkunst, die während der Nazizeit ihren rechtmäßigen Besitzern entrissen wurde.

Ein schmerzhafter Blick in die Vergangenheit

Die Stiftung Sammlung E.G. Bührle steht seit Jahren in der Kritik. Immer wieder wird bemängelt, dass die Provenienzforschung, also die Klärung der Herkunft und des rechtlichen Status der Werke, nicht ausreichend betrieben wurde. Emil Bührle, der die Sammlung zusammengestellt hat, erwarb viele dieser Werke von jüdischen Flüchtlingen, die unter Druck ihre Kunst verkauften, um ihre Flucht zu finanzieren. Ein Gutachten des Historikers Raphael Gross hat mittlerweile aufgedeckt, dass 133 von 205 Werken einst im Besitz jüdischer Sammler waren. Das ist eine erschreckende Bilanz, die nicht ignoriert werden kann.

Im Februar 2024 hat das Zürcher Stadtparlament vier Millionen Franken für vertiefte Provenienzforschung bereitgestellt. Der Schweizer Bundesrat hat sogar eine „Expertenkommission für historisch belastetes Kulturerbe“ ins Leben gerufen, um die Forschung zu unterstützen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob diese Initiativen die Stiftung dazu bewegen können, sich ernsthaft mit der dunklen Vergangenheit ihrer Sammlung auseinanderzusetzen. Victor Schmid, ein Mitglied des Stiftungsrates, hat die Vorwürfe als „zu Unrecht umstritten“ zurückgewiesen und damit die Wogen weiter hochgeschlagen.

Ein neuer Ansatz zur Aufarbeitung

Das neue Projekt zur Provenienzforschung in Zürich erhält zudem finanzielle Unterstützung vom Kulturfonds des Kantons Zürich sowie vom Bundesamt für Kultur. Ob das die Stiftung dazu bringt, endlich die kritischen Kontexte zu würdigen, bleibt offen. Es ist eine derartigen Herausforderung, die Schatten der Geschichte aufzuarbeiten und gleichzeitig die Schönheit der Kunst zu bewahren.

Die Diskussion um die Sammlung Bührle zeigt uns nicht nur, wie wichtig es ist, die Kunst in ihrer gesamten Komplexität zu betrachten, sondern auch, wie sehr Geschichte und Gegenwart miteinander verwoben sind. In einer Zeit, in der die Gesellschaft nach Aufarbeitung und Verständnis strebt, könnte die Ausstellung eine wertvolle Plattform bieten, um diese Themen aufzugreifen und die Geschichten hinter den Bildern zu erzählen.