Heute ist der 8.05.2026 und in Lindau am Bodensee brodelt es gewaltig. Die Situation rund um die Klinikübernahme wirft mehr Fragen auf als Antworten gegeben werden können. Höhere Summen als bisher bekannt schwirren durch die Luft, während die Stadt sich auf eine massive finanzielle Belastung vorbereitet. Die neuen Sitzungsvorlagen von Stadt und Kreis beleuchten die finanziellen Verpflichtungen, die auf Friedrichshafen zukommen. Unbemerkt von vielen, wird der Ravensburger Kreistag am Dienstag über den MCB entscheiden, und das könnte weitreichende Folgen haben.
Obwohl die Stadt die Trägerschaft abgeben will, bleibt sie nicht von den Kosten verschont. Der Gemeinderat hat bereits seine finanzielle Verpflichtung zur Insolvenz anerkannt – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wenn ein Betrieb aus dem MCB-Verbund pleitegeht, stehen Verpflichtungen in Höhe von 203 Millionen Euro für die Betriebsrenten der Klinikbeschäftigten auf der Agenda. Diese Verpflichtungen gehen mit dem Verkauf an den neuen Eigentümer über. Das bedeutet, dass Friedrichshafen in der Pflicht steht, auch wenn der neue Träger nicht die Stadt ist.
Ein komplexes Geflecht von Vereinbarungen
Der Häfler Gemeinderat wird am 13. Mai ein Zahlungspaket von knapp 80 Millionen Euro diskutieren. Dabei wird sich zeigen, ob die Zeppelin-Stiftung bereit ist, bis zu 21 Millionen Euro zu zahlen, wenn die Oberschwabenklinik (OSK) neuer Träger wird. Man könnte fast meinen, das Ganze gleicht einem Schachspiel, bei dem jeder Zug wohlüberlegt sein muss. Die Stiftung hat außerdem 15 Millionen Euro für einen Neubau in Aussicht gestellt, was alles von den Dividenden abhängt. Aber selbst das ist kein Spaziergang – mögliche Bußgeldzahlungen aus Ermittlungen nach dem Tod einer Ärztin könnten bis zu vier Millionen Euro kosten.
Die Stadt könnte sogar noch 3,6 Millionen Euro zahlen, falls sich aus der Anrechnung des Insolvenzgeldes weitere Zahlungsverpflichtungen ergeben. Und als wäre das nicht genug, müssen bis 2030 zusätzlich gut 20 Millionen Euro für Instandsetzungsmaßnahmen aufgebracht werden. Ein Waldgrundstück neben dem Krankenhaus wird kostenfrei an den Bodenseekreis übergeben – ein kleiner Lichtblick in dieser finanziellen Dunkelheit.
Verhandlungen und Entscheidungen
Die Verhandlungen zwischen Bodenseekreis, OSK und Ameos sind mittlerweile abgeschlossen. Notariell geschlossene Verträge liegen vor, und die Genehmigung des Regierungspräsidiums Tübingen steht noch aus. Die Übernahme des Klinikbetriebs ist frühestens zum 1. Juli vorgesehen, wobei die OSK Geschäftsanteile der Klinik-GmbHs in Friedrichshafen und Tettnang kaufen würde. Der Bodenseekreis beteiligt sich an den Kosten des neuen Unternehmens im Verhältnis 65 zu 35 – ein Modell, das für alle Beteiligten tragfähig sein soll.
Ein weiterer Aspekt ist, dass der Bodenseekreis 13 Millionen Euro für den Kauf durch Ameos unterstützen muss, während bis 2033 insgesamt 46 Millionen Euro für mögliche Verluste an Ameos fällig sind. Die Neubaukosten von Ameos werden auf 230 Millionen Euro geschätzt, mit Zuschüssen des Landes, aber das sind Zahlen, die erst einmal verdaut werden müssen. Landrat Luca Wilhelm Prayon hat in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit eines sorgfältigen Prozesses für die Krankenhausversorgung betont.
Am 13. Mai fällt die Entscheidung über den Partner für die Sicherstellungsvereinbarung in einer öffentlichen Sitzung. Es bleibt spannend, wie der Kreistag die Angebote und Konzepte bewerten wird, die von Vertretern der OSK, AMEOS und SRH-Holding präsentiert wurden. Die nächste nichtöffentliche Beratungsrunde im Ausschuss für Verwaltung und Kultur findet am 29. April statt, und die Vorzeichen deuten auf eine intensive Auseinandersetzung hin.