Vom Bauernhof in die Staatskanzlei: Das bewegte Leben von Hubert Aiwanger
Am 26. Januar 1971 erblickte Hubert Aiwanger in Ergoldsbach das Licht der Welt. Auf dem elterlichen Bauernhof in Rahrsdorf bei Rottenburg an der Laaber im Landkreis Landshut, wo wohl vor allem Schweine gezüchtet wurden, wuchs er auf. Seine Kindheit war geprägt von harter Arbeit und Disziplin, und schon früh musste Aiwanger lernen, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist. In der Schule, während seiner Jahre am Burkhardt-Gymnasium in Mallersdorf-Pfaffenberg, kamen allerdings auch Schattenseiten ans Licht. Mitschüler berichteten von einem Vorfall mit einer rechtsradikalen Hetzschrift und von Hitlergrüßen im Klassenraum. Das alles warf einen langen Schatten auf seine spätere politische Karriere. Trotz dieser dunklen Episoden war er als freundlich, umgänglich und gewissenhaft bekannt.
Sein Abitur legte Aiwanger 1990 mit der Note 1,9 ab und begann danach eine Laufbahn, die ihn schließlich bis in die Staatskanzlei führte. Nach dem Grundwehrdienst bei der Bundeswehr und einem Agraringenieurstudium an der Fachhochschule Weihenstephan bewirtschaftete er den Familienhof. Die Liebe zur Landwirtschaft blieb ihm stets erhalten, auch als er 2001 den Freien Wählern beitrat und seine politische Karriere begann. 2008 zogen die Freien Wähler zum ersten Mal in den bayerischen Landtag ein, und Aiwanger wurde Fraktionschef. Es war der Beginn eines steilen Aufstiegs.
Der Weg in die Politik
Seine erste große Rede hielt Aiwanger 2006 vor 600 Zuhörern. Eine beeindruckende Leistung für jemanden, der aus einem kleinen Dorf stammt. Im Februar 2010 wurde er Bundesvorsitzender der Freien Wähler und ab November 2018 dann bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie stellvertretender Ministerpräsident. Aiwanger war bekannt für seine Reden ohne Manuskript, oft mit einem charmanten niederbayerischen Dialekt. Besonders wichtig waren ihm die Themen, die er mit den „kleinen Leuten“ verband. Er stellte seine bäuerliche Herkunft immer wieder in den Vordergrund und grenzte sich damit vom professionellen Politikbetrieb ab.
Doch es gab auch dunkle Wolken am Horizont. Im Spätsommer 2023 wurde ein antisemitisches Flugblatt aus seiner Schulzeit öffentlich, was die Koalition mit der CSU unter Druck setzte. Aiwanger sah sich mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert, die seine politische Karriere zu gefährden drohten. Trotz dieser Turbulenzen erreichten die Freien Wähler bei der Landtagswahl im Oktober 2023 mit 15,8 Prozent ihr bis dahin bestes Ergebnis. Aiwanger galt als hartnäckiger Kämpfer, der auch gegen Widerstände an seine Themen dranblieb.
Ein plötzlicher Abschied
Doch dann kam der unfassbare Schock: Am 5. November 2026 wurde Aiwanger tot in einem Berliner Hotelzimmer aufgefunden. Er war 55 Jahre alt und hatte sich zuvor aus gesundheitlichen Gründen von einem Termin abgemeldet. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete seinen Tod als Tragödie und sprach der Familie sein Mitgefühl aus. Aiwanger war nicht nur ein Politiker, sondern auch ein zweifacher Vater. Mit seiner Partnerin Tanja Schweiger, die Landrätin des Landkreises Regensburg ist, hatte er zwei Söhne. Die beiden waren nicht verheiratet, aber lebten zusammen und schafften es, das Politische aus dem Familienleben herauszuhalten.
Die Berliner Staatsanwaltschaft sowie die Mordkommission des Landeskriminalamts Berlin haben Ermittlungen eingeleitet. Der plötzliche Tod eines Politikers, der sowohl geliebt als auch gehasst wurde, wirft viele Fragen auf. Was geschah in den letzten Stunden seines Lebens? Wie wird sein Erbe in der bayerischen Politik weitergetragen? Eines ist sicher: Aiwanger wird in Erinnerung bleiben, sowohl für seine Erfolge als auch für die Kontroversen, die ihn begleiteten.
Sein Weg, vom Bauernhof bis in die Staatskanzlei, ist ein Stück bayerische Geschichte. Aiwanger hat die bayerische Politik geprägt, und es bleibt abzuwarten, wie die Zukunft ohne ihn aussieht. Sein plötzlicher Tod wird sicherlich noch lange für Diskussionen sorgen.
