Die Diskussion um belastete Straßennamen in Landsberg zieht immer breitere Kreise. Der Stadtrat steht vor der dringenden Entscheidung, wie mit den Namen umgegangen werden soll, die historisch mit dunklen Kapiteln verbunden sind. Dies betrifft vor allem Straßen wie die Otto-Leybold-Straße, die Oberbürgermeister-Thoma-Straße und den Hindenburgring, die allesamt mit Sympathisanten oder Tätern des Nationalsozialismus in Verbindung stehen. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, hat der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Stadtrates die Empfehlungen einer Expertenkommission bereits unterstützt.

Besonders kritisch sind die Namensgeber: Paul von Hindenburg war ein Wegbereiter der NS-Diktatur, Otto Leybold zeigte während der NS-Zeit eine klare politische Affinität zur NSDAP, und der Obbürgermeister Thoma war verantwortlich für die brutalsten Einweisungen in Heil- und Pflegeanstalten. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung Ende Mai 2025 wurden die ersten Ergebnisse der Kommission präsentiert, die eine Umbenennung dieser Straßen empfiehlt.

Kontextualisierung statt Umbenennung

Im Gegensatz dazu stehen die Straßen der Schwaighofsiedlung, die nach sogenannten „Kriegshelden“ benannt sind. Die Streitigkeiten um diese Namen beruhen auf ihrer Identifikation durch die Nationalsozialisten als Kriegshelden, wie das Kreisboten ausführlich darstellt. Die Expertenkommission empfiehlt hier eine historische Kontextualisierung statt einer Umbenennung. Die Namensgeber – Maximilian Graf von Spee, Otto Weddigen, Max Franz Immelmann und Manfred von Richthofen – seien zwar heldenhafte Figuren des Ersten Weltkriegs, aber nicht für Kriegsverbrechen verantwortlich.

Der Stadtrat zeigt sich überzeugt, dass diese Namensgebungen sowohl in ihrer Geschichte als auch ihrer Instrumentalisierung durch das NS-Regime beleuchtet werden sollten. In einer Informationsveranstaltung mit Militärhistoriker Heiner Bröckermann und Stadtheimatpfleger Stefan Paulus wurde die historische Tiefe der Straßenbenennungen herausgearbeitet. Philipp Schmid von der Linken hat darüber hinaus vorgeschlagen, QR-Codes und gedruckte Hinweise an den Schildern anzubringen, um die kontextualisierten Informationen für die Bürger zugänglich zu machen.

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Bedenken und Herausforderungen

Die Diskussion um die Jahnstraße, die nach Friedrich Jahn benannt ist, steht ebenfalls auf der Agenda. Jahn, als „Turnvater“ bekannt, hat durch seine völkischen und nationalistischen Überzeugungen in der Vergangenheit einen umstrittenen Ruf erworben. Hans-Jürgen Schulmeister von Landsberger Mitte unterstützt die Empfehlungen der Experten, äußert jedoch Bedenken hinsichtlich der möglichen Konsequenzen für die Anwohner. Insbesondere bei Adressänderungen könnten Klagen drohen, was die Umsetzung komplizieren könnte.

Insgesamt spiegeln die Debatten rund um die Straßennamen in Landsberg ein wachsendes Bewusstsein für die eigene Geschichte und deren Aufarbeitung wider. Die Stadtverwaltung bereitet nun die öffentliche Auslegung der Unterlagen vor und möchte damit die Bürger an dem Prozess beteiligen. Das Interesse an den Empfehlungen, ob für Umbenennung oder Kontextualisierung, zeigt, dass Landsberg bereit ist, sich mit seiner Geschichtslast auseinanderzusetzen.

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