Landsberg am Lech: Straßen mit Geschichte – Umbenennung oder Kontextualisierung?
Heute ist der 5.07.2026 und in Landsberg am Lech gibt es großen Gesprächsstoff. Der Stadtrat steht vor einer wichtigen Entscheidung: Wie geht man mit Straßen um, deren Namen eine belastete Geschichte haben? Ein Thema, das nicht nur die Anwohner berührt, sondern auch die gesamte Stadtgesellschaft. Die Diskussion um die Umbenennung oder zumindest Kontextualisierung von Straßen mit historisch problematischen Namen ist in vollem Gange.
Der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Stadtrats hat die Empfehlungen einer Expertenkommission nun offiziell unterstützt. Das hat die Kulturamtsleiterin Claudia Weißbrodt in einer Informationsveranstaltung erneut betont – die Sicht auf die Geschichte verändert sich, und das ist gut so. Die Stadtverwaltung bereitet die Unterlagen für die öffentliche Auslegung vor, damit alle Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit haben, sich zu informieren und ihre Stimme einzubringen.
Empfehlungen für die Umbenennung
Besonders im Fokus stehen dabei die Straßen Otto-Leybold-Straße, Oberbürgermeister-Thoma-Straße und Hindenburgring. Die Experten empfehlen eine Umbenennung dieser Straßen, da die Namensgeber in der NS-Zeit als Wegbereiter oder Sympathisanten der Diktatur agierten. Hindenburg selbst ist als jemand bekannt, der die Machtergreifung der Nazis gefördert hat, während Thoma für die grausamen Einweisungen in Heil- und Pflegeanstalten verantwortlich war. Leybold war ebenfalls ein Sympathisant der NS-Ideologie – da bleibt kein Raum für Nostalgie.
Aber nicht nur diese drei Straßen stehen zur Debatte. In der Schwaighofsiedlung wird eine Kontextualisierung für vier Straßen empfohlen. Namen wie Maximilian Graf von Spee oder Manfred von Richthofen tragen ebenfalls eine Geschichte mit sich, die nicht leicht zu verdauen ist. Hier wird vorgeschlagen, QR-Codes und gedruckte Hinweise an den Schildern zu verwenden, um den Menschen klar zu machen, was sich hinter den Namen verbirgt. Stadtrat Philipp Schmid von den Linken hat die Idee ins Spiel gebracht, und das scheint eine gute Möglichkeit zu sein, um das Bewusstsein zu schärfen.
Die Diskussion um die Jahnstraße
Ein weiteres heißes Eisen ist die Jahnstraße. Benannt nach Friedrich Jahn, dem „Turnvater“, der von den Nazis für ihre Zwecke instrumentalisiert wurde. Klar, Jahn gilt als Wegbereiter des Breitensports, aber seine völkischen und nationalistischen Überzeugungen werfen einen Schatten auf sein Erbe. Hans-Jürgen Schulmeister von der Landsberger Mitte unterstützt die Empfehlungen, hat aber auch Bedenken. Was passiert mit den Anwohnern, wenn sich die Adressen ändern? Könnte es zu Klagen kommen? Das sind berechtigte Fragen, die in der Diskussion nicht unter den Tisch gekehrt werden sollten.
Die Stadt orientiert sich an den Empfehlungen von Wissenschaftlern wie Professor Dr. Stefan Paulus von der Universität Augsburg und Professor Dr. Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Diese Experten bringen frischen Wind in die Debatte und helfen dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die erste Informationsveranstaltung, die Ende Mai 2025 stattfand, hat bereits erste Ergebnisse präsentiert und zeigt, dass die Stadt auf dem richtigen Weg ist.
Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Diskussion weiterentwickelt. Die Stadt Landsberg steht an einem Wendepunkt, an dem sie sich nicht nur mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzt, sondern auch mit der Frage, wie wir als Gesellschaft aus der Vergangenheit lernen können. Vielleicht braucht es noch etwas Zeit, bis alle Stimmen gehört sind und ein klarer Weg eingeschlagen wird. Aber das ist Teil des Prozesses – und der ist, wie wir wissen, nie einfach.
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