Eine bewegende Radtour führte am Fronleichnam eine Gruppe von knapp 30 Gehörlosen des Gehörlosenvereins Landsberg am Lech e.V. zur KZ-Gedenkstätte Kaufering VII bei Erpfting. Diese besondere Veranstaltung wurde von Gabriele Triebel, der Präsidentin der Europäischen Holocaustgedenkstätte (EHS), geleitet, die die Teilnehmenden umfassend über die traurige Geschichte des Lagers aus der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft informierte. Begleitet wurden ihre Schilderungen von zwei Gebärdensprachdolmetscher*innen, um allen Anwesenden den Zugang zu diesen wichtigen Informationen zu ermöglichen, wie Augsburger Allgemeine berichtet.

Ein Anliegen der Gedenkstätte, die von der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung e.V. eingerichtet wurde, ist es, die Verbrechen der Nationalsozialisten zu thematisieren und auf die Geschichte der elf Konzentrationslager in der Region hinzuweisen. Landsberg am Lech gilt als ein zentraler Ort in der NS-Zeit, an dem Adolf Hitler „Mein Kampf“ niederschrieb, was die Stadt ab 1933 den Titel „Hitlerstadt“ einbrachte. In der Region wurden rund 23.000 Menschen, vor allem jüdische Häftlinge, zur Zwangsarbeit gezwungen, viele starben unter katastrophalen Bedingungen, wie Kaufering VII zur Verfügung stellt.

Erforschung der Geschichte

Ein besonderer Moment während der Führung war die Entdeckung eines gehörlosen Häftlings: Siegfried Fedrid. Dieser wurde am 30. April 1920 in Wien geboren und war Schneider von Beruf. Frau Triebel fand heraus, dass Fedrid von 1938 bis 1941 in der „Jüdischen Blinden- und Taubstummenanstalt“ in Wien betreut wurde. Am 15. Oktober 1941 wurde er zusammen mit seinen Eltern von Wien nach Lodz deportiert. Am 1. September 1944 kam er mit einem Transport aus Auschwitz in Kaufering VIII an und wurde später nach Kaufering IV verlegt. Fedrid trug die Taubstummen-Häftlingsmarke Nr. 97604 des KZ Dachau / Außenlager Kaufering. Im Jahr 1947 emigrierte er in die USA, was diese Entdeckung umso bedeutender macht, denn sie stellt einen direkten Bezug zur Geschichte gehörloser Menschen während der NS-Zeit her.

Nach dem eindrucksvollen Besuch der Gedenkstätte radelte die Gruppe weiter nach Holzhausen, wo sie in einem Biergarten eine wohlverdiente Pause einlegten. Der Tag fand seinen Abschluss mit einem geselligen Grillfest im Haus der Gehörlosen in Kaufering, das dem Zusammenhalt und Gedenken dieser vergangenen Zeiten diente.

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Bedeutung der Gedenkstätte

Die Europäische Holocaustgedenkstätte hat das Ziel, die Erinnerung an die Gräueltaten des Nationalsozialismus wachzuhalten. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Kaufering VII etwa 2.000 Menschen unter extremen Bedingungen zur Zwangsarbeit gezwungen. Die Häftlinge mussten unter anderem Bunker und andere Bauprojekte errichten. Mit Blick auf die Nachkriegszeit wurden die ehemaligen SS-Baracken später genutzt, um deutsche Vertriebene und Flüchtlinge unterzubringen. Dies verdeutlicht die tragische Geschichte des Standorts, wo zahlreiche Menschen leiden mussten, wie auch das Bundesarchiv eindrucksvoll festhält.

Die Stiftung plant und errichtet außerdem ein Dokumentationszentrum, das den Lagerkomplex Kaufering und Landsberg zum Thema haben wird. Hierbei ist der Austausch mit anderen Gedenkstätten, Museen und Schulen von großer Bedeutung, um die Erinnerungsarbeit fortzuführen und zukünftige Generationen über die Verbrechen der Nationalsozialisten aufzuklären.