Am 8. Juni 2026 war es ein ganz besonderer Tag in Landsberg am Lech. Eine Gruppe von knapp 30 Gehörlosen des Gehörlosenvereins Landsberg am Lech e.V. machte sich an Fronleichnam auf zu einer Radtour, die nicht nur die Beine, sondern auch die Herzen und Gedanken berühren sollte. Ziel war die KZ-Gedenkstätte Kaufering VII bei Erpfting. Man konnte das Kribbeln der Vorfreude in der Luft spüren – und etwas mehr als nur das. Es war ein Tag der Erinnerung, des Gedenkens und des Zusammenseins.

Bei der Ankunft wurden die Radler von Gabriele Triebel, der Präsidentin der Europäischen Holocaustgedenkstätte, empfangen. Frau Triebel, die mit ihrer warmen Art und ihrem tiefen Wissen glänzte, berichtete eindrucksvoll über die grausame Geschichte des Lagers während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Ihre Erzählungen waren nicht nur informativ, sondern schafften einen emotionalen Zugang zu den schrecklichen Ereignissen, die sich dort zugetragen hatten. Zwei Gebärdensprachdolmetscher*innen begleiteten die Schilderungen, was für alle Anwesenden eine wertvolle Unterstützung darstellte.

Ein bewegendes Entdecken

Während des Vortrags stellte ein Teilnehmer eine wichtige Frage: Gab es gehörlose Häftlinge im KZ? Diese Frage war nicht nur bedeutend, sondern auch sehr persönlich. Frau Triebel, beeindruckt von diesem Interesse, durchforstete das Archiv und stieß auf die Geschichte von Siegfried Fedrid. Geboren am 30. April 1920 in Wien, war er Schneider und wurde als gehörloser Häftling während der NS-Zeit verfolgt. Die Recherche offenbarte, dass Fedrid von 1938 bis 1941 in der „Jüdischen Blinden- und Taubstummenanstalt“ in Wien betreut wurde. Am 15. Oktober 1941 wurde er zusammen mit seinen Eltern deportiert. Ein Schicksal, das viele Fragen aufwirft – und das uns alle betrifft.

Am 1. September 1944 kam Fedrid mit einem Transport aus Auschwitz in Kaufering VIII an. Später wurde er nach Kaufering IV verlegt und trug die Taubstummen-Häftlingsmarke Nr. 97604 des KZ Dachau / Außenlager Kaufering. Nach dem Krieg emigrierte er 1947 mit seinen Eltern in die USA. Diese Entdeckung schuf einen direkten Bezug zur Geschichte gehörloser Menschen während der NS-Zeit. Es war, als ob die Vergangenheit für einen Moment greifbar wurde und uns alle zum Nachdenken anregte.

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Ein Tag voller Erinnerungen und Gemeinschaft

Nach dem bewegenden Besuch der Gedenkstätte radelte die Gruppe weiter nach Holzhausen, und der Biergarten dort bot eine willkommene Pause. Die frische Luft, das Lachen und die Gespräche – es war, als ob man die Schwere des Tages für einen Augenblick hinter sich lassen konnte. Ein kühles Getränk in der Hand, die Gesichter strahlten vor Freude. Es war nicht nur eine Radtour; es war eine Zusammenkunft, ein Miteinander, das auch Trost spendete.

Der Tag endete schließlich mit einem gemeinsamen Grillfest im Haus der Gehörlosen in Kaufering. Ein Ort, der nicht nur Erinnerungen wachruft, sondern auch Gemeinschaft und Zusammenhalt fördert. Die Klänge des Grillens, das Aroma von frisch zubereitetem Essen, das Lachen und die Gespräche – all das schuf eine Atmosphäre, die den Tag unvergesslich machte.