Eine neue Bedrohung schwebt über den Zuckerrübenfeldern im Ochsenfurter Gau: die Schilf-Glasflügelzikade. Dieses kleine, nur fünf bis neun Millimeter große Insekt hat sich zum Feind der Zuckerrübenanbauer entwickelt. Wie Radio Gong berichtet, überträgt die Zikade zwei gravierende Pflanzenkrankheiten. Zunächst gibt es da das Stolbur, das die Zuckerrüben weich und unansehnlich werden lässt – viele sprechen dann von der „Gummirübe“. Zudem führt sie zum Syndrom des niedrigen Zuckergehalts (SBR), das sich durch vergilbte Blätter und das Absterben von Pflanzenteilen sowie eine deutlich reduzierte Zuckerkonzentration äußert.
Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend, vermutet man, dass die Zikade durch den Klimawandel und die damit verbundenen Temperaturen nach Deutschland gelangt ist. Für die Landwirte bringt das ganz neue Herausforderungen: Aktuell gibt es kaum wirksame Maßnahmen, um den Befall in den Griff zu bekommen. Ein möglicher Lösungsansatz ist der Einsatz von Kamera-Drohnen zur Überwachung der Pflanzengesundheit, um gezielt Pflanzenschutzmittel und Dünger einzusetzen. Auch die Änderung der Fruchtfolge könnte sinnvoll sein, um der Zikade die Nahrungsbasis zu entziehen.
Dringende Maßnahmen werden nötig
Am 31. März 2025 erteilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Notfallzulassungen für verschiedene Pflanzenschutzmittel. Diese Maßnahmen beruhen auf Artikel 53 der EU-Pflanzenschutzmittelverordnung und gelten für einen Zeitraum von 120 Tagen. Ziel dieser Notfallzulassungen ist es, den gefährlichen Glasflügelzikaden und den von ihnen übertragenen unterschiedlichen Krankheitserregern Einhalt zu gebieten. Unter den zugelassenen Mitteln befinden sich mehrere Produkte, allesamt unter enger Überwachung der zuständigen Behörden.
Hier eine Übersicht über die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel:
| Produktname | Wirkstoff | Zeitraum | Menge | Fläche |
|---|---|---|---|---|
| Carnadine 200 | Acetamiprid | 31.03. – 28.07.2025 | 6.875 Liter | 27.500 ha |
| Mospilan SG | Acetamiprid | 31.03. – 28.07.2025 | 6.875 kg | 27.500 ha |
| Danjiri | Acetamiprid | 01.04. – 29.07.2025 | 6.875 kg | 27.500 ha |
| SIVANTO prime | Flupyradifurone | 15.04. – 12.08.2025 | 14.500 Liter | 58.000 ha |
| Karate Zeon | lambda-Cyhalothrin | 01.04. – 29.07.2025 | 5.700 Liter | 38.000 ha |
| Kaiso Sorbi | lambda-Cyhalothrin | 01.04. – 29.07.2025 | 5.700 kg | 38.000 ha |
| Decis forte | Deltamethrin | 01.04. – 29.07.2025 | 2.850 Liter | 38.000 ha |
Umweltbalance im Fokus
Die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln ist ein zweischneidiges Schwert. Wie Umweltbundesamt aufzeigt, birgt ihr intensiver Einsatz große Risiken für die Umwelt. Der Einsatz von chemischen und biologischen Wirkstoffen soll zwar unerwünschte Organismen bekämpfen, doch zahlt das manchmal einen hohen Preis: Die Pflanzenwelt wird verarmt, was nicht nur Vögeln und anderen Tierarten die Nahrungsgrundlage entzieht, sondern ebenso zu einem Rückgang von Blütenbestäubern führt. Dies wirft einen schattenhaften Schleier über die Bemühungen zur Bekämpfung der Zikade.
Für die Bauern im Ochsenfurter Gau bleibt zu hoffen, dass mit den neuen Maßnahmen eine nachhaltige Lösung gefunden wird, um die Schilf-Glasflügelzikade in den Griff zu bekommen. Der Erhalt der Felder und der Qualität der Zuckerrüben hängt von einem ausgewogenen Zusammenspiel zwischen Pflanzenschutz und Naturschutz ab.