Bayerns Schienenkrise: Italo und die Angst vor dem Fernverkehrs-Aus
In Ingolstadt, wo die Audi-Motoren schnurren und die Donau friedlich plätschert, gibt es zurzeit ein heißes Thema, das die Gemüter bewegt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat eine Liste veröffentlicht, die das drohende Schicksal von 16 deutschen Städten beleuchtet. Darunter finden sich auch unsere bayerischen Perlen Bamberg, Augsburg und Ingolstadt. Was steckt dahinter? Nun, der italienische Bahnkonzern Italo plant, ab 2028 in Deutschland ins Fernverkehrsgeschäft einzusteigen und dafür tief in die Tasche zu greifen, um neue Züge anzuschaffen. Doch nicht jeder ist erfreut über diese Neuigkeiten!
Das große Sorgenkind ist die Möglichkeit, dass durch Italo’s „Rosinenpickerei“ das bestehende System der Querfinanzierungen gefährdet wird. Momentan kann die Deutsche Bahn (DB) Einnahmen aus stark frequentierten Strecken nutzen, um weniger nachgefragte Strecken aufrechtzuerhalten. Matthias Birkmann, der Landesgeschäftsstellenleiter der EVG in Bayern, warnt, dass ein Verdrängungswettbewerb droht, der nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die betroffenen Städte gravierende Folgen haben könnte. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Die Bedenken der Verantwortlichen
Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) ist alles andere als begeistert von der Vorstellung, dass große Städte vom Fernverkehr entkoppelt werden könnten. Er fordert ein stabiles System für die Trassenvergabe und sieht die Notwendigkeit, dass auch weniger lukrative Strecken weiterhin bedient werden. Schließlich sind es nicht nur die großen Metropolen, die Anbindung benötigen! Oberbürgermeister von Ingolstadt, Michael Kern (CSU), betont, wie wichtig eine gute ICE-Anbindung für den Standort ist. Ähnliches hört man auch von Sebastian Niedermaier, dem Oberbürgermeister von Bamberg, der sich um die langfristige Sicherung des ICE-Systems in seiner Stadt sorgt.
In Augsburg ist die Lage nicht anders. Hier verweist man auf langfristige Zusagen der Bundespolitik und der Deutschen Bahn für mindestens zehn tägliche Fernverkehrszugpaare. Doch die Unsicherheit schwebt über der Stadt wie ein Gewitter über dem bayerischen Himmel. Die EVG hat eine klare Forderung: einen regulierten Markteintritt für neue Anbieter, um auch weniger profitable Städte anzufahren. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Anbindung nicht ins Hintertreffen gerät.
Wettbewerb oder Verdrängung?
Die Diskussion um die Konkurrenz im deutschen Schienennetz ist nicht neu. Die Deutsche Bahn hat mit einem Marktanteil von etwa 95 Prozent im Fernverkehr eine monopolartige Stellung. Italo plant, die attraktiven Strecken wie München-Frankfurt/Main-Köln-Dortmund und München-Berlin-Hamburg zu bedienen. Doch die EVG warnt gleichzeitig vor einer möglichen Verschlechterung des Angebots im deutschen Fernverkehr. EVG-Chef Martin Burkert äußert Bedenken über die „Rosinenpickerei“, die Italo betreiben könnte. Was passiert mit den weniger frequentierten Strecken, wenn die Bahn sich nur auf die hochprofitablen konzentriert?
Die Einführung des Deutschlandtickets hat zudem dazu geführt, dass viele Fahrgäste auf Regionalzüge ausweichen. Das könnte die Rentabilität von ICE- und IC-Zügen auf weniger gut ausgelasteten Strecken weiter gefährden. Ein Teufelskreis, der schnell zu einem Problem werden könnte. Die Deutsche Bahn warnt vor einer Überlastung wichtiger Knotenpunkte und einem möglichen Wegfall von Fahrten. Die Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen Wettbewerb und der Sicherstellung einer flächendeckenden Anbindung zu finden, ist größer denn je.
Evelyn Palla, die Chefin der Deutschen Bahn, betont, dass Wettbewerb das Geschäft belebe. Aber sie fügt hinzu, dass die Vorteile für alle Menschen zugutekommen müssen. Das klingt nach einer schmalen Gratwanderung. Ein Spagat, der nicht nur die Verantwortlichen in den Ministerien beschäftigt, sondern auch die Bürger, die auf eine verlässliche, gut ausgebaute Infrastruktur angewiesen sind.
In der bayerischen Provinz, wo Tradition und Fortschritt Hand in Hand gehen, bleibt zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen zusammensetzen und einen Weg finden, um die Anbindung für alle Bürger zu sichern. Denn ganz ehrlich: Wer möchte schon in einer Stadt leben, die vom Fernverkehr abgeschnitten ist? Die Antwort darauf kennt jeder, der die Vorzüge einer guten Anbindung zu schätzen weiß.
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