Die Stadt Haßfurt in Unterfranken hat sich in den letzten Jahrzehnten als Vorreiter in der Energiewende etabliert. Diese Entwicklung wurde maßgeblich von Norbert Zösch geprägt, der Anfang Februar 2023 nach über 25 Jahren als Geschäftsführer des Stadtwerks Haßfurt in den Ruhestand ging. Unter seiner Leitung hat sich das Stadtwerk zu einem Modell für erneuerbare Energien entwickelt, das sogar über 300 Prozent des Strombedarfs der Bürger deckt. Zösch, der nun 66 Jahre alt ist, plant, für die Grünen als Landratskandidat zu kandidieren und möchte weiterhin die Energiewende vorantreiben. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Mainpost.

Seit kurz vor der Jahrtausendwende setzt Haßfurt auf erneuerbare Energien, was durch zahlreiche große Photovoltaik-Anlagen und einen Bürgerwindpark mit über 60 Megawatt Gesamtleistung unterstützt wird. Eine Biogasanlage sorgt dafür, dass Strom und Wärme unabhängig von Wetterbedingungen erzeugt werden. Dabei spielt die Power-To-Gas-Anlage eine zentrale Rolle, die überschüssigen Strom in Wasserstoff umwandelt, welcher bei Bedarf rückverstromt werden kann. Dies alles zeigt, dass Haßfurt nicht nur lokal, sondern auch regional eine Vorreiterrolle einnimmt.

Die Rolle von Norbert Zösch

Norbert Zösch begann 1998 mit der Umsetzung der Energiewende in Haßfurt und hat in dieser Zeit viele Herausforderungen gemeistert. Politische Unterstützung war dabei entscheidend, da erneuerbare Energien zu dieser Zeit oft als unkonventionell galten. Rudi Eck, der damalige CSU-Bürgermeister, kämpfte gegen Widerstände innerhalb seiner Partei und der Bevölkerung, um die notwendigen Schritte einzuleiten. Heute wird das Stadtwerk Haßfurt als Vorreiter der Energiewende angesehen und wurde vor 12 Jahren von der Deutschen Umwelthilfe ausgezeichnet.

In den letzten Jahren hat das Stadtwerk auch mit der Technischen Hochschule Schweinfurt zusammengearbeitet, die den ersten Bachelorstudiengang für Wasserstofftechnik in Deutschland anbietet. Studierende haben dabei Machbarkeitsstudien erstellt und an der Planung von Anlagen mitgewirkt. Neueste Projekte, wie ein mit einer Brennstoffzelle betriebenes Flugzeug, das mit lokal erzeugtem Wasserstoff fliegen soll, demonstrieren die Innovationskraft der Region.

Übergeordnete Entwicklungen in Deutschland

Im Jahr 2023 hat Deutschland erstmals über die Hälfte seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt. Windenergie an Land war dabei die wichtigste Stromquelle, mit über 22 Prozent des erzeugten Stroms. Die Bundesregierung sieht die Energiewende als Schlüssel zur Förderung von Energieeffizienz, Modernisierung und Digitalisierung, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland nicht zu gefährden. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt diese Maßnahmen durch Förderprogramme, die auch private Haushalte einbeziehen.

Die dezentrale Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien erfordert den Ausbau überregionaler Übertragungsnetze und lokaler Verteilnetze. Intelligente Stromzähler (Smart Meter) spielen hierbei eine wichtige Rolle, um Erzeugung und Verbrauch besser in Einklang zu bringen und Sparpotenziale zu erschließen. Die Entwicklungen in Haßfurt sind ein hervorragendes Beispiel für die Möglichkeiten, die die Energiewende bietet und die Rolle, die lokale Initiativen dabei spielen können.