Am Montagnachmittag, im Panoramasaal des Landratsamtes in Günzburg, war es ein emotionaler Moment für viele: 27 Kreisrätinnen und Kreisräte wurden verabschiedet. Ein Abschied, der nicht nur persönliche Geschichten, sondern auch 400 Jahre geballte Kreistagserfahrung mit sich bringt. Der Verlust dieser wertvollen Expertise ist nicht zu unterschätzen, denn die Gründe für das Ausscheiden sind vielfältig – von Nicht-Wiederwahl über vorzeitige Amtsniederlegungen bis hin zu Entscheidungen, nicht mehr anzutreten.

Landrat Hans Reichhart nutzte die Gelegenheit, um seine Dankbarkeit auszudrücken und den unschätzbaren Wert des Erfahrungswissens zu betonen. In der aktuellen Wahlperiode von 2020 bis 2026 wurden unter anderem zahlreiche Projekte angestoßen und erfolgreich abgeschlossen. Dazu zählen bedeutende Schulsanierungen und -digitalisierungen, wie die Generalsanierung der Realschule in Thannhausen oder die Verbesserung der Lernumgebungen an den Gymnasien in Günzburg und Krumbach. Themen wie bezahlbarer Wohnraum und Pflege wurden ebenfalls behandelt, während die Hochwasserkatastrophe während dieser Amtszeit den regionalen Zusammenhalt stärkte.

Verdienste der Verabschiedeten

Besonders hervorgehoben wurde das unternehmerische Wissen von Rudolf Feuchtmayr, der nicht mehr zur Wahl antrat. Auch Dr. Thomas Ermer, der 30 Jahre lang im Kreistag aktiv war, schaffte den Einzug bei der Kommunalwahl auf Platz 27 nicht. Reichhart richtete zudem besondere Dankesworte an die Mitglieder des Verwaltungsrats der Kreiskliniken, die sich über die Jahre sowohl in der Gesundheitspolitik als auch im Sozialwesen engagiert haben.

Die verabschiedeten Kreisräte in alphabetischer Reihenfolge sind: Luise Bader (Offingen), Philipp Beißbarth (Jettingen-Scheppach), Christoph Böhm (Jettingen-Scheppach), Franziska Deisenhofer (Kammeltal), Dr. Thomas Ermer (Günzburg), Rudolf Feuchtmayr (Ichenhausen), Klemens Ganz (Krumbach), Anton Gollmitzer (Günzburg), Robert Hartinger (Münsterhausen), Gerhard Jauernig (Günzburg), Roland Kempfle (Kötz), Christian Konrad (Leipheim), Eveline Kuhnert (Burgau), Harald Lenz (Ebershausen), Dr. Dr. Bernhard Lohr (Günzburg), Leonhard Ost (Ellzee), Birgit Rembold (Günzburg), Alfred Sauter (Ichenhausen), Peter Schoblocher (Thannhausen), Georg Schwarz (Neuburg a. d. Kammel), Kurt Schweizer (Offingen), Helga Springer-Gloning (Günzburg), Marianne Stelzle (Günzburg), Ilse Thanopoulos (Wiesenbach), Lorenz Uhl (Kammeltal), Peter Walbuger (Burtenbach) und Christoph Weber (Krumbach).

Der Kontext der Kommunalwahlen

In Deutschland werden die Kommunalwahlen durch das Grundgesetz geregelt, das in Artikel 28, Absatz 1, eine Vertretung des Volkes durch allgemeine, unmittelbare, freie, gleiche und geheime Wahlen fordert. Unionsbürger mit Wohnsitz in Deutschland sind bei diesen Wahlen wahlberechtigt und wählbar, und auch Freie Wählergemeinschaften dürfen nicht von der politischen Willensbildung ausgeschlossen werden. Die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen ist im Durchschnitt niedriger als bei Landtags- oder Bundestagswahlen, was oft an den lokal orientierten Themen und Projekten liegt.

Die unterschiedlichen Modelle der Kommunalverfassung in Deutschland, wie die süddeutsche Bürgermeisterverfassung, die heute am weitesten verbreitet ist, zeigen, wie vielfältig die kommunale Politik gestaltet werden kann. In vielen Bundesländern sind Verfahren wie Kumulieren und Panaschieren gängig, bei denen Wähler ihre Stimmen auf verschiedene Kandidaten oder Parteien verteilen können. Diese Flexibilität fördert eine bunte politische Landschaft und gibt kleineren Parteien oder Bürgerinitiativen eine faire Chance, gehört zu werden.

Insgesamt zeigt sich, dass die Verabschiedungen im Kreistag Günzburg nicht nur ein Verlust für die Kommunalpolitik darstellen, sondern auch einen Neuanfang mit frischen Ideen und Perspektiven ermöglichen. Die kommenden Wahlen werden zeigen, wie sich die politische Landschaft in der Region weiterentwickelt und welche neuen Herausforderungen angepackt werden.