In Bayern gibt’s bald ein neues Ritual an den Schulen – die Bayernhymne wird ab dem Schuljahr 2026/27 Pflicht bei Abschlussfeiern an weiterführenden Schulen. Das hat das bayerische Kultusministerium in einem Schreiben festgelegt. Für die Grundschulen gelten diese neuen Vorgaben jedoch nicht. Hier wird das Ganze wohl mit einem Augenzwinkern betrachtet, während die älteren Schüler nun beim Übertritt in die nächste Bildungsstufe feierlich mit der Hymne begrüßt werden.
Die Bayernhymne wird nicht allein sein – sie wird zusammen mit einer weiteren Hymne, entweder der deutschen Nationalhymne oder der Europahymne, gespielt und gesungen. Ein bisschen patriotischer Schwung schadet ja nie, könnte man meinen. Ein Kultusministerielles Schreiben (KMS) regelt die Ausführung dieser neuen Regelung, die ursprünglich schneller in Kraft treten sollte, nun aber um ein Jahr verzögert wurde. Die Initiative stammt von der CSU unter Ministerpräsident Markus Söder, der sich sicherlich die Zustimmung seiner Wählerschaft sichert.
Die Umsetzung – ein großes Fragezeichen
Doch wie schaut’s konkret in den Schulen aus? Da gibt’s durchaus Unsicherheiten. Schulleiterin Kerstin Haferkorn hat bereits geäußert, dass sie nicht genau weiß, wie der Erlass an ihrer Schule umgesetzt werden soll. Und das ist nicht verwunderlich, denn die Schüler sind nicht verpflichtet, die Hymne laut mitzusingen – es liegt im Ermessen der Schulen. Man könnte also auch einfach das Band abspielen und Textblätter austeilen. Das klingt zwar nach einer praktischen Lösung, lässt aber die Frage aufkommen, ob das den feierlichen Anlass wirklich würdigt.
Eine besonders kritische Stimme kommt von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, die die Erwähnung eines Paragraphen im KMS als „verstörend“ empfindet. Dieser Paragraph besagt, dass die Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole unter Strafe steht. Ein bisschen viel Druck, findet mancher. Auch der Bund Bairische Sprache sieht die Hymnenpflicht als „substanzlose Symbolpolitik“ und fordert eine stärkere Verankerung der bayerischen Landesgeschichte im Lehrplan. Das klingt nach einer spannenden Debatte, die da am Horizont aufzieht.
Ein Festival der Ideen
Um dem Ganzen eine kreative Wendung zu geben, plant das Ministerium ein „Festival der Ideen“. Hier sollen die besten Vorschläge zur Umsetzung des Themas „Hymne“ ausgezeichnet werden. Das könnte durchaus spannend werden! Vielleicht wird ja eine Schülerband entdeckt, die das Ganze musikalisch aufpeppt und die Hymne in einem neuen Licht erstrahlen lässt.
Ob das alles am Ende den gewünschten Effekt bringt? Oder bleibt die Hymne nur ein weiteres Stück Papier in der langen Liste von Schulvorschriften? Ganz gleich, wie man dazu steht, die Diskussion wird sicher weitergehen. Und während die einen sich auf die neue Tradition freuen, wird es andere geben, die sich fragen, ob das nicht alles etwas übertrieben ist. Vielleicht bringt die Zeit ja die Antworten, die wir alle suchen.
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