Am 26. Februar 2026 fand in Fürstenfeldbruck eine spannende Exkursion statt, bei der Forstexperten der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) den Platzbedarf von Bäumen für stabiles Wachstum unter die Lupe nahmen. Gemeinsam mit Vertretern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck (AELF) und des Forstbetriebs Landsberg der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) wurde eine Versuchsfläche bei Althengenberg im Staatswald besucht. Diese Fläche steht unter der wissenschaftlichen Betreuung der LWF und ist Teil des „Ertragskundlichen Versuchsflächennetzes Bayern“, das seit über 150 Jahren besteht und 157 Standorte sowie 1.400 Versuchsparzellen umfasst.

Die langfristigen Untersuchungen konzentrieren sich auf Pflanzdichten und Durchforstungen bei Fichten. Die ersten Ergebnisse zeigen deutlich: Frühe und gezielte Durchforstungen sowie ein ausreichender Abstand zwischen den Bäumen fördern nicht nur ein stabileres Wachstum, sondern auch größere Durchmesser. Diese „Zukunftsbäume“ oder „Z-Bäume“ sind vital, standfest und produzieren hochwertiges Holz. Zudem verkürzen rechtzeitige Durchforstungen die Umtriebszeit bis zur Hiebsreife. Es wurde festgestellt, dass die Niederdurchforstung, also die Entnahme schwächerer Bäume, nur geringe Vorteile für stärkere Bäume mit sich bringt. Gezielte Durchforstungen sind daher entscheidend für stabile und zukunftsfähige Wälder.

Ökologische Vorteile der Durchforstungen

Doch was passiert eigentlich im Ökosystem Wald, wenn Durchforstungen vorgenommen werden? Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Stabilität der Bäume bei, sondern verbessern auch den Nährstoffhaushalt der Wälder. Insbesondere wird das Mikroklima im Bestand begünstigt, was sich positiv auf Temperatur und Feuchtigkeit auswirkt. Eine erhöhte Aktivität des Bodenlebens führt außerdem zu einer höheren Mineralisationsrate und beschleunigtem Abbau organischen Materials. Dies führt zu einer Veränderung der Auflagehumus-Mächtigkeit, die in durchforsteten Laub(misch)wäldern oft geringmächtige Mullhumusformen aufweist.

In den Oberböden durchforsteter Bestände sind höhere Nährelementkonzentrationen, wie Stickstoff, Kalzium, Kalium und Magnesium, sowie höhere pH-Werte nachweisbar. Dennoch gibt es auch negative Auswirkungen der Durchforstung auf nährstoffarmen Standorten, wo Biomassen- und Nährstoffentzug problematisch sein können. Um die erhöhten Nährstoffverluste zu minimieren, ist es ratsam, Nadeln und Zweige im Bestand zu belassen, da diese wichtige Nährstoffe enthalten. Zudem fördert der erhöhte Lichtgenuss in durchforsteten Beständen die Photosynthese und damit das Baumwachstum.

Strategien für die Waldbewirtschaftung

Die Ergebnisse der LWF-Studien zeigen die Notwendigkeit von robusten Waldbewirtschaftungsstrategien, um die Resilienz und Resistenz von Waldökosystemen zu erhöhen. Die Mehrheit der europäischen Waldökosysteme ist bewirtschaftet, und die Anforderungen an andere Waldleistungen sowie den Schutz der Biodiversität sind in den letzten Jahrzehnten gestiegen. In der Vergangenheit lag der Fokus der Forstwirte vor allem auf der Maximierung der Holzproduktion. Doch der Klimawandel und damit verbundene Störungen bedrohen die nachhaltige Bereitstellung von Ökosystemleistungen und erfordern ein Umdenken in der Waldwirtschaft.

Um lokal angepasste Bewirtschaftungsoptionen zu identifizieren, die die Waldentwicklung steuern, sind verschiedene Bewertungsansätze notwendig. Dazu gehören unter anderem feldbasierte empirische Studien, standardisierte experimentelle Studien an 12 Versuchsstandorten in Bayern seit 1976 sowie prozessbasierte Simulationsmodelle zur Projektion zukünftiger Auswirkungen der Bewirtschaftung. Solche Untersuchungen helfen dabei, Strategien zur Optimierung der Bereitstellung und Stabilität von Ökosystemleistungen zu entwickeln und die Veränderungen von Lebensräumen waldbewohnender Arten zu analysieren.

Die Erkenntnisse aus dem Netzwerk der LWF unterstützen nicht nur den Waldumbau im Klimawandel, sondern fließen auch direkt in die Beratung von Waldbesitzern ein, um die gewonnenen Forschungsergebnisse praktisch umzusetzen. Die LWF setzt sich dafür ein, dass das Wissen aus der Forschung direkt bei den Waldbesitzern ankommt.

Insgesamt zeigt sich, dass eine durchdachte Waldbewirtschaftung nicht nur für die Holzproduktion entscheidend ist, sondern auch für den Erhalt der Biodiversität und die Stabilität der Waldökosysteme.