Im Landkreis Freyung-Grafenau ist eine kleine, aber feine Bewegung am Start, die nicht nur die Herzen der Kinder, sondern auch die der Ehrenamtlichen höher schlagen lässt. Hier unterstützen Lese- und Sprachpatinnen sowie -paten Kinder, damit sie sich in der deutschen Sprache zurechtfinden – beim Lesen, Sprechen und Schreiben. Im vergangenen Schuljahr waren sage und schreibe 61 engagierte Menschen im Einsatz und haben mehr als 100 Kinder an Grund- und Mittelschulen auf ihrem Weg begleitet. Da kann man nur sagen: Hut ab!

Das Projekt, das vom Landkreis Freyung-Grafenau initiiert wurde, hat sich mittlerweile in fast allen 30 Grund- und Mittelschulen des Landkreises etabliert. Die Patinnen und Paten investieren ein bis zwei Stunden pro Woche, um den Kindern, die oft mit Leseschwierigkeiten kämpfen oder aus nicht deutschsprachigen Familien stammen, beim Entdecken von Büchern und beim Erwerb der deutschen Sprache zu helfen. Hierbei geht es nicht nur um das bloße Vermitteln von Wissen. Vielmehr wird das Selbstvertrauen der Kinder gestärkt und die schulische sowie gesellschaftliche Integration gefördert. Yvonne Stephan, die Projektbetreuerin und Integrationslotsin, hat den Ehrenamtlichen bereits gedankt und sie ermutigt, weiterhin so wertvolle Arbeit zu leisten.

Ein Aufruf an die Ehrenamtlichen

Für das laufende Schuljahr werden neue Ehrenamtliche gesucht, und zwar an gleich elf Schulen: von der Mittelschule Freyung bis zur Emerenz-Meier-Mittelschule Waldkirchen. Wer Freude an Sprache und Lesen hat, Geduld mitbringt und ein wenig Zeit investieren kann, ist herzlich eingeladen, sich zu melden. Eine Schulung mit praktischen Tipps und Methoden wartet auf die neuen Sprachpatinnen und -paten. Auch erfahrene Ehrenamtliche sind herzlich willkommen, um ihr Wissen aufzufrischen und sich auszutauschen.

Das Projekt hat nicht nur positive Auswirkungen auf die Kinder, sondern ist auch Teil eines größeren Rahmens: Bayerns Schulen setzen sich intensiv für die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Flucht- oder Migrationshintergrund ein. Zahlreiche schulartübergreifende und spezifische Maßnahmen werden durch das Kultusministerium unterstützt. Informationsmaterialien, Unterrichtshilfen und Fortbildungsangebote stehen bereit, um Lehrkräfte in ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen.

Sprachförderung als Schlüssel zur Integration

Ein zentrales Element dieser Integrationsarbeit ist die Sprachförderung. Denn der Erwerb der deutschen Sprache ist fundamental für die schulische und berufliche Zukunft der Kinder. Das Fach „Deutsch als Zweitsprache“ ersetzt in vielen Fällen den regulären Deutschunterricht und vermittelt den Schülern die nötigen Kompetenzen für den Alltag, die Mitarbeit im Unterricht und den Zugang zu deutschsprachiger Literatur und Medien. Durch die Wertschätzung der Erstsprache wird zudem eine transkulturelle Identität gefördert, die die Akzeptanz mehrerer kultureller Lebenswelten stärkt.

In den verschiedenen Schularten gibt es spezifische Integrationsmaßnahmen, die auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen. Insbesondere an Mittelschulen wird viel Wert auf die individuelle Förderung gelegt. Für Jugendliche in Deutsch- und Berufsintegrationsklassen stehen interaktive Materialordner zur Verfügung, die sie in ihrem Lernprozess unterstützen.

Ein Netzwerk für Unterstützung

Das Unterstützungsnetzwerk reicht weit über die Schulen hinaus. Schulpsychologen, Beratungslehrkräfte und zahlreiche Hilfsangebote stehen bereit, wenn es um die Herausforderungen geht, die mit Flucht und Migration einhergehen. Auch wenn es um den Umgang mit belastenden Themen wie dem Ukraine-Krieg geht, wird viel Wert auf eine einfühlsame und informative Begleitung gelegt.

Für all jene, die dazu beitragen möchten, dass Kinder zu selbstbewussten und sozial aktiven Menschen heranwachsen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um aktiv zu werden. Wer sich einbringen möchte, kann sich jederzeit bei Yvonne Stephan melden – telefonisch oder per E-Mail. Es gibt viel zu tun, und jede helfende Hand zählt. In einer Welt, in der die Integration von Zugewanderten immer wichtiger wird, ist der Einsatz von Ehrenamtlichen ein Lichtblick, der Hoffnung und Perspektiven schenkt.

Heute, am 29. Oktober 2026, ist es an der Zeit, die Möglichkeiten zu nutzen, die sich den Kindern und Jugendlichen in Freyung-Grafenau bieten. Denn der Weg zur Integration ist ein gemeinsames Unterfangen, das sowohl die Gesellschaft als auch die einzelnen Menschen bereichert. Das Lächeln eines Kindes, das dank der Unterstützung lesen kann, ist der schönste Lohn für jeden Aufwand.