Heute ist der 3.05.2026 und wir blicken nach Zolling, wo sich ein ganz besonderer Moment für Moritz Griebel (22) entfaltet. Er hat einen großen Schritt in die Freiheit gewagt – seine Walz hat begonnen! Diese traditionelle Wanderschaft für Handwerksgesellen ist mehr als nur ein Abenteuer; es ist ein tief verwurzelter Teil unseres kulturellen Erbes, der in Bayern und darüber hinaus immer noch lebendig ist. Moritz, frisch aus Zolling, wird während seiner Reise nicht näher als 50 Kilometer von seiner Heimat entfernt sein. Das bedeutet, er ist auf sich allein gestellt, und das ist schon mal eine große Herausforderung!
Bevor er sich auf den Weg macht, versammeln sich über 50 Freunde und Familienmitglieder am Zollinger Ortsschild. Man kann sich die Aufregung und die gemischten Gefühle gut vorstellen. Moritz vergräbt eine Glasflasche, gefüllt mit Wünschen seiner Liebsten, in einer 80 Zentimeter tiefen Grube. Ein emotionaler Moment, der die Verbundenheit zu Hause symbolisiert. Die Walz selbst wird mindestens drei Jahre und einen Tag andauern, und sie ist nicht nur ein persönliches Abenteuer, sondern auch eine Reise in die Tiefen seiner eigenen Identität.
Die Regeln der Walz
Moritz wird von Moritz Kretschmar, einem erfahrenen Walz-Gänger, begleitet, der als sein Pate fungiert. Dabei gilt es, strenge Regeln zu befolgen: Bannmeile, Kontaktsperre, kein Handy und auch kein Geld für Unterkunft oder Fortbewegung. Das klingt nach einem echten Entbehrungstest! Aber genau das ist Teil der Tradition – die Gesellen sollen lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und sich in der Welt zurechtzufinden. Die spezielle Kleidung, die sie tragen – schwarze Zunfthose, weißes Hemd, Weste, Jackett, Hut und Wanderstock – ist nicht nur für den Stil, sondern auch ein Zeichen ihrer Zugehörigkeit.
Das Gepäck wird in einem Tuch namens „Charly“ transportiert, das nicht mehr als zehn Kilo wiegen darf. Und in diesem Gewicht sind all die notwendigen Dinge für die Reise enthalten! Moritz ist gespannt auf die Freiheit, die ihm die Walz bietet. Er hat die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob er arbeitet oder nicht, und plant, Osteuropa und Skandinavien zu bereisen. Neue Kulturen kennenlernen, neue Erfahrungen sammeln – das klingt einfach nach Freiheit pur!
Die Tradition der Wanderschaft
Die Pflicht zur Wanderschaft für Gesellen hat eine lange Geschichte. Sie wurde in nachmittelalterlicher Zeit in bestimmten Zünften als Teil des Ausbildungsweges eingeführt. Vor dieser Regelung gab es schon Wanderungen von Bauhandwerkern, die kaum dokumentiert sind. Die Dauer der Wanderschaft variierte je nach Gewerk und Ort, mit strengen Anforderungen, die in den Zunftstatuten festgelegt waren. Für viele Gesellen war die Wanderschaft eine Strategie für sozialen Aufstieg oder Abstieg. Sie diente also nicht nur der Weiterbildung, sondern auch als Möglichkeit, in einem gesättigten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Die Wanderschaft ist besonders wichtig, da sie den Gesellen ermöglicht, neue Erfahrungen zu sammeln und ihre Kenntnisse zu vertiefen. Dabei treffen sie auf neue Städte, manchmal auch im Ausland. In der Vergangenheit waren die Gesellen oft auf die Hilfe eines Schaumeisters angewiesen, um Arbeit zu finden. Bei Mangel an Arbeit erhielten sie ein Zehrgeld. Diese Tradition hat sich bis ins 19. Jahrhundert gehalten, und die Wanderschaft war ein wichtiger Teil des Handwerks.
Die Bedingungen für die Wanderschaft sind klar: Gesellen müssen ledig, kinderlos und schuldenfrei sein und dürfen nicht älter als 30 Jahre. Es gibt zahlreiche Herbergen, die speziell für Wandergesellen eingerichtet sind, und es entstehen immer wieder Treffen und Veranstaltungen, die den Austausch und die Wandergesellenkultur fördern. Auch wenn die Wanderschaft in den letzten Jahren an Bedeutung verloren hat, bleibt sie ein faszinierender Teil unserer Kultur.
Moritz Griebel wird seine Walz mit all ihren Herausforderungen und Freuden meistern. Nach 1097 Tagen plant er, zurückzukehren und die vergrabene Flasche wieder auszugraben. Ein schöner Gedanke, der ihn während seiner Reise begleiten wird. Wir wünschen ihm alles Gute auf seiner Reise und hoffen, dass er zahlreiche spannende Erlebnisse sammeln kann!