In Deutschland ereignet sich alle 20 Minuten eine Gewalttat gegen Frauen, wobei die Dunkelziffer möglicherweise sogar jede Minute aufblitzen könnte. Diese alarmierenden Zahlen wurden kürzlich bei einer Veranstaltung in Freising thematisiert, die von den Grünen organisiert wurde. Moderatorin Lilian Boehme stellte klar, dass es sich hierbei nicht um ein Randthema handelt, sondern um ein tiefgreifendes gesellschaftliches Problem. Christina Mayer, die Leiterin des Fachbereichs gegen häusliche und sexualisierte Gewalt im Diakonischen Werk Freising, beleuchtete die verschiedenen Formen von Gewalt, die in der Fachberatungsstelle HilDa behandelt werden.

Zu den Themen der Diskussion zählten partnerschaftliche häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz sowie Übergriffe unter Jugendlichen. Mayer forderte eine Überprüfung der gesellschaftlichen Haltung zu sexueller Belästigung und Gewalt und wies darauf hin, dass häusliche Gewalt oft mit der Geburt des ersten Kindes beginnt. Sie betonte auch, dass bezahlbarer Wohnraum eine Möglichkeit zur Deeskalation von Gewaltsituationen sein könnte.

Prävention und finanzielle Unterstützung

Die Diskussion wandte sich auch der Rolle von Frauen als Verbündete und den gesellschaftlichen Erwartungen an Kleidung zu. Boehme riet Frauen, frühzeitig Gespräche über Kinderbetreuung und Finanzen zu führen, um häuslicher Gewalt vorzubeugen. Um die Thematik weiter zu vertiefen, ist es wichtig zu wissen, dass jede vierte Frau in Deutschland von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen ist. Die Gewaltstatistiken steigen, während die Finanzierung der Frauenunterstützungsstruktur unzureichend bleibt. Frauenhäuser sind oft überlastet, und es gibt lange Wartezeiten nach Vergewaltigungen.

Das Gewaltschutzgesetz sieht vor, dass ein Täter bei einem Platzverweis die Wohnung verlassen muss. Betroffene können einen Antrag auf Gewaltschutz stellen, der jedoch nur für sechs Monate gilt. Prävention wird als die effektivste Methode zur Bekämpfung von Gewalt angesehen, wobei geschlechterspezifische Gewalt Deutschland jährlich 54 Milliarden Euro kostet. Mayer forderte von der Kommune Verantwortung zur Verbesserung der Sicherheit in Freising, insbesondere angesichts der unklaren Finanzierung für das nächste Jahr.

Politische Forderungen und internationale Verpflichtungen

Der Deutsche Frauenrat fordert zur Bundestagswahl 2025 die Umsetzung der Istanbul-Konvention und der EU-Gewaltschutzrichtlinie. Dringende Empfehlungen des Europarats müssen bis Ende 2025 umgesetzt werden, um Mindeststandards für Schutz, Unterstützung und Zugang zur Justiz für Gewaltbetroffene zu gewährleisten. Auch die gesetzliche Regelung für Schutzunterkünfte und Beratungsstellen wird als notwendig erachtet, um den Zugang zu Schutz und Unterstützung für alle Betroffenen zu verbessern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Schutz von Migrantinnen und geflüchteten Frauen. Der Deutsche Frauenrat fordert die Streichung der Wohnsitzauflage in §12a AufenthG und ein eigenständiges Aufenthaltsrecht unabhängig von einer ehelichen Lebensgemeinschaft. Diese Forderungen sind Teil eines ganzheitlichen Ansatzes, der auch die Bekämpfung digitaler Gewalt und Frauenhass umfasst.

Aktuelle Berichterstattung zur Gewalt gegen Frauen

Am 3. Dezember 2024 wurde der erste Periodische Bericht „Monitor Gewalt gegen Frauen – Umsetzung der Istanbul-Konvention in Deutschland“ vorgestellt. Dieser Bericht, der von der Berichterstattungsstelle geschlechtsspezifische Gewalt des Deutschen Instituts für Menschenrechte erstellt wurde, analysiert umfassend das Phänomen geschlechtsspezifische Gewalt in Deutschland zwischen 2020 und 2022. Er dokumentiert die Anstrengungen von Bund und Ländern zur Erfüllung ihrer menschenrechtlichen Verpflichtungen aus der Istanbul-Konvention.

Die Herausforderungen sind groß, und die Notwendigkeit von Veränderungen ist dringlich. Die Diskussion über Gewalt gegen Frauen ist essenziell, um die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern und Betroffenen den nötigen Schutz und die Unterstützung zukommen zu lassen. Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel auf Merkur, sowie auf der Seite des Deutschen Frauenrats und dem Institut für Menschenrechte.