Heute ist der 1.05.2026 und in Freising wird der Geist von zwei unvergesslichen Brüdern lebendig gehalten: Valentin und Georg Bauer, die bekannt wurden als die „Maibaumräuber“. Während der Wiesnzeit ist ihre legendäre „Maibaumräuber-Boxe“ täglich in einem Münchner Festzelt reserviert und erinnert an die außergewöhnliche Geschichte dieser beiden Männer, die trotz ihrer unterschiedlichen Berufe – Tino als Bierbrauer und Schorsch als Zahnarzt – immer zusammenhielten.
Die Brüder sorgten 1964 für Aufsehen, als sie mit ihren Komplizen den Münchner Maibaum stahlen und damit nicht nur für einen Skandal sorgten, sondern auch zahlreiche Ehrungen und einen festen Platz im Herzen der Wiesn-Besucher erlangten. In den folgenden Jahren wurden sie zu einer festen Größe im Wiesntreiben, während sie ein großräumiges Anwesen in Massenhausen bei Freising bezogen, das mit einer eigenen Reithalle und Ställen ausgestattet war. Der Pferdesport wurde neben dem Oktoberfest und ihren Auftritten im Verein „Filser-Buam“ zu einem wesentlichen Bestandteil ihres Lebens.
Ein Leben voller Herausforderungen
Im Jahr 2009 änderte sich das Leben von Schorsch schlagartig, als er einen Schlaganfall erlitt, von dem er sich nicht mehr erholte. Trotz seiner gesundheitlichen Probleme konnte er viele Jahre auf dem Hof bei Tino verbringen, wo er liebevoll gepflegt wurde. Doch das Schicksal hatte andere Pläne: Schorsch starb kurz vor dem Wiesnbeginn 2017 und markierte damit das Ende ihrer besonderen Brudergemeinschaft. Tino, nun 93 Jahre alt, betrat im selben Jahr solo die Maibaumräuber-Boxe und ehrte das Andenken seines Bruders mit einem gerahmten Bild auf dem Biertisch.
Im April 2026, im Alter von 101 Jahren, verstarb auch Tino. Damit schloss sich der Kreis einer einzigartigen Geschichte, die von Zusammenhalt und Lebensfreude geprägt war. Die Erzählung der Maibaumräuber ist nicht nur die Geschichte zweier Brüder, sondern auch ein Teil des bayerischen Brauchtums, das während des Oktoberfests lebendig bleibt.
Oktoberfest: Ein Fest mit Geschichte
Das Oktoberfest, ursprünglich als Pferdesportveranstaltung ins Leben gerufen, blickt auf eine mehr als 200-jährige Geschichte zurück und hat sich über die Jahre zu einem der größten Volksfeste der Welt entwickelt. Seit der ersten offiziellen Fassanstich durch Oberbürgermeister Wimmer im Jahr 1950, als er nach 17 Schlägen „O’zapft is!“ rief, fließen während der 16 Festtage rund sechs Millionen Liter Bier, das in den Stadtgrenzen von München gebraut werden muss. Trotz mehr als 20 Ausfällen aufgrund von Kriegen oder Epidemien, zuletzt 2020 und 2021 wegen der Corona-Pandemie, bleibt das Oktoberfest ein unverwechselbarer Teil der bayerischen Kultur.
Die Geschichten von Valentin und Georg Bauer sind in die Traditionen des Oktoberfests eingewoben und erinnern uns daran, wie wichtig Gemeinschaft, Brauchtum und Lebensfreude sind. In diesem Sinne wird die Maibaumräuber-Boxe auch weiterhin ein Ort sein, an dem die Erinnerungen an die Brüder und ihre Abenteuer lebendig gehalten werden.