In Erlangen brodelt es: Die Friedrich-Alexander-Universität hat den Wunsch geäußert, die Erwin-Rommel-Straße umzubenennen. Diese Straße ist nicht nur eine zentrale Verkehrsader, sondern auch der Standort vieler universitärer Gebäude. Der Kulturausschuss hat das Thema nun aufgegriffen und diskutiert die Möglichkeit einer Umbenennung. Das Besondere daran? Die Verwaltung hat bereits einen konkreten neuen Namen vorgeschlagen, was den Streit um die Straße in eine neue Phase bringt.
Die Hintergründe sind nicht unproblematisch. Kritische Stimmen von der Universität, dem Studierendenwerk und der Studierendenvertretung haben die Verwaltung dazu bewegt, die Benennung zu hinterfragen. Die Umbenennung ist auf den ersten Blick ein einfacher Vorschlag, doch sie basiert auf einer zeitgenössischen Sichtweise, die Rommel als Widerstandskämpfer und tapferen Soldaten darstellt. Diese Sichtweise wird von vielen als problematisch erachtet.
Überprüfung und Bürgerbeteiligung
Am 14. Mai 2025 beschloss der Kultur- und Freizeitausschuss (KFA) eine umfassende Überprüfung der Umbenennung. Um die Meinungen der Betroffenen einzuholen, ist eine Bürgerinnenbeteiligung in Form einer Anhörung geplant. Am 15. Oktober 2025 wurden 886 potenziell Betroffene informiert und zu einer Informationsveranstaltung am 28. Oktober 2025 eingeladen. Von diesen 886 Anschriften waren 185 nicht mehr gültig. Dennoch konnten 165 Rückmeldungen gezählt werden, was eine Rücklaufquote von 23,5 % ergibt.
Die Meinungen über die Umbenennung sind geteilt: Insgesamt sprachen sich 49 % für eine Umbenennung aus, während 51 % dagegen waren. Besonders deutlich wird die Kluft zwischen den Gruppen: Bei den Anwohnerinnen und Eigentümer*innen waren nur 17 % für eine Umbenennung, während bei den Studierenden 65 % für eine Umbenennung plädierten.
Alternativvorschläge und Herausforderungen
Der Name „Am Südcampus“ wurde von beiden Gruppen als bevorzugter Alternativname genannt. Doch die Bedenken gegen eine Umbenennung sind vielfältig: 73 % der Rückmeldungen, die sich gegen eine Umbenennung aussprachen, nannten den hohen Aufwand als Hauptgrund. Argumente wie finanzielle Belastungen und die Wahrung der Geschichte kommen ebenfalls zur Sprache. Kritiker der Vorschläge empfinden die Umbenennung als undemokratisch und regen an, nur den Teil der Straße mit universitärem Bezug umzubenennen.
Eine Umbenennung hätte zudem praktische Folgen: Gebühren für die Änderung von Personalausweisen und Fahrzeugscheinen wären zu erwarten, auch wenn die Stadt auf einige Gebühren verzichten würde. Die Kosten für neue Straßenschilder würden etwa 2.000 Euro betragen. Die Verwaltung schlägt vor, die Prüfung einer Umbenennung mit dem Namen „Am Südcampus“ voranzutreiben, um den Wünschen der Betroffenen gerecht zu werden und die lokale Gegebenheit zu betonen.
Ausblick
Wie sich der Streit um die Erwin-Rommel-Straße weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Diskussion zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, historische Bezüge kritisch zu hinterfragen und gleichzeitig den Dialog mit der Bevölkerung zu suchen. Erlangen steht vor einer spannenden Entscheidung, die nicht nur den Namen einer Straße betrifft, sondern auch das Miteinander in der Stadt prägen wird.