Am 8. Mai 2026 ist es soweit: Die Schriftstellerin Annegret Liepold präsentiert ihr Debütwerk „Unter Grund“ in Erlangen. In der Zeit von 18.30 bis 20.30 Uhr wird die Veranstaltung in der Henkestraße 53 stattfinden und in Kooperation mit der Volkshochschule Erlangen organisiert. Der Eintrittspreis beträgt 12 Euro, eine Ermäßigung ist für Klientinnen und Klienten der wabe möglich, der Kontakt kann über die wabe aufgenommen werden. Es ist wichtig zu beachten, dass eine Vorab-Anmeldung erforderlich ist, eine Abendkasse wird nicht angeboten. Interessierte können sich unter der Veranstaltungsnummer 26 S 30 10 32 bei der Volkshochschule anmelden.
„Unter Grund“ ist ein tiefgründiger Roman, der sich mit der fränkischen Heimat und der Vergangenheit auseinandersetzt. Die Protagonistin Franka kehrt nach Jahren in ihr Heimatdorf im Aischgrund zurück. Die Handlung ist durchzogen von Themen wie dem Schweigen der Familie, Erinnerungen an die Nullerjahre und der Auseinandersetzung mit der rechten Szene sowie Fragen nach Schuld und Identität. Die Rückkehr in ihre Heimat konfrontiert Franka nicht nur mit ihrer eigenen Vergangenheit, sondern auch mit den Schatten, die sie dort zurückgelassen hat.
Franka und die Schatten der Vergangenheit
Franka, die als Referendarin an einer Münchner Schule arbeitet, wird durch einen Vorfall im NSU-Prozess, bei dem ein Schüler Beate Zschäpe beleidigt, emotional stark getriggert. Diese Erfahrung führt sie dazu, München zu verlassen und in ihre fränkische Heimat zurückzukehren. Dort begegnet sie ihrer Mutter Ingrid und ihrer Tante Jutta. In ihrem Heimatdorf beginnt sie, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und sammelt Erinnerungen, um diese aufzuarbeiten. Der Roman enthält Flashbacks, die Frankas Wissensvorsprung gegenüber den Lesern verringern und so eine tiefere Einsicht in ihre Psyche ermöglichen.
Ein zentrales Element der Handlung ist ein Graffiti mit der Aufschrift „Franka = Nazischlampe“, das die Protagonistin mit den Schrecken ihrer Jugend und der Anziehungskraft der rechtsradikalen Szene konfrontiert. Frankas Schulzeit war geprägt von Verlust und Schwierigkeiten, einschließlich des Todes ihres Vaters und der Demenz ihrer Großmutter. Durch einen Mitschüler, Patrick, wird sie in die Neonazi-Szene eingeführt und nimmt an rechten Aktionen teil. Der Roman spielt im Sommer 2006, während der Fußball-WM in Deutschland, und thematisiert eindringlich die Schrecken der Nazizeit und die damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderungen.
Ein mutiger Blick auf gesellschaftliche Fragen
Annegret Liepold wagt es, aktuelle gesellschaftliche Themen in ihrem Debütroman mutig zur Sprache zu bringen. Sie beleuchtet die Schwierigkeiten, die mit der Zugehörigkeit zu einer radikalen Szene einhergehen, und thematisiert die Suche nach Identität und Zugehörigkeit in einer komplexen Welt. Die detaillierte Beschreibung des Dorflebens und der Kirchweih verleiht der Geschichte eine lebendige Kulisse, während die ernsthaften Themen im Hintergrund nicht minder eindringlich sind.
Wer sich für die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und den dunklen Kapiteln der Geschichte interessiert, sollte sich diesen Abend in Erlangen nicht entgehen lassen. Annegret Liepolds „Unter Grund“ ist nicht nur ein Roman über Heimat und Verdrängung, sondern auch ein eindringlicher Appell, sich den eigenen Wurzeln und der Geschichte zu stellen.