In Schwaig, einem kleinen Ort im Landkreis Erding, wird derzeit ein ganz besonderer Maibaum für Rom vorbereitet. Der Maibaum, der auf Initiative von Kardinal Reinhard Marx aufgestellt wird, misst nur 15 Meter – also halb so groß wie üblich. Dies ist jedoch nicht der einzige Aufreger, der die bayerische Gemeinde beschäftigt. Ein Burschenverein aus Inning am Ammersee hatte es auf den Maibaum abgesehen, doch die Diebe erlitten eine herbe Enttäuschung: Statt des echten Maibaums nahmen sie versehentlich einen Übungsbaum mit, der für die Vorbereitungen diente.
Der Vorsitzende des Brauchtumsvereins Moosmotor Schwaig, Michael Miesbauer, räumt ein, dass sie sich auf den echten Baum vorbereiten mussten, der noch im Wald lag, während die Verantwortlichen fleißig mit dem Übungsbaum übten. Der unbewachte Baum war ein leichtes Ziel für die Inninger, und so kam es zu einem schnellen Ende der Diebesaktion. Miesbauer zeigt sich jedoch versöhnlich und betont, dass die Schwaiger den Diebstahl schätzen und den Inningern Respekt zollen.
Ein Baum mit Geschichte
Der Maibaum für Rom trägt nicht nur symbolisch die bayerischen Traditionen, sondern wurde auch von Kardinal Marx aus seinem Privatvermögen gestiftet. Die Idee entstand, als der Kardinal im Garten des Begegnungszentrums der Erzdiözese in Rom saß. Anders als die typischen Maibäume ist dieser nicht weiß-blau lackiert, sondern nur gehobelt und mit Cortenstahl-Schildern versehen. An der Spitze thront der Heilige Korbinian, ein weiterer Verweis auf die bayerische Identität.
Die Schwaiger freuen sich auf das große Aufstellen des Maibaums, das im Rahmen einer Veranstaltung der Stiftung Begegnungszentrum stattfinden wird. Miesbauer bestätigt, dass der Verein im Auftrag des Erzbischofs den Transport und die Aufstellung des Maibaums organisiert. Ob die Inninger Diebe nach Rom reisen werden, um am Fest teilzunehmen, bleibt jedoch unklar. Miesbauer stellt klar, dass dies nicht Teil der Verhandlungen war. Dennoch gibt es keinen Groll über die Aktion, denn das Maibaumstehlen gehört zum bayerischen Brauchtum.
Ein festliches Beisammensein
Inzwischen haben die Schwaiger Brauchtumsfreunde eine Einladung der Maibaum-Diebe aus Inning angenommen. Die Inninger, die ursprünglich den Übungsbaum zurückholen wollten, entschieden sich stattdessen, ihn einem älteren Mitglied ihrer Burschenschaft zu schenken. So kommen die Schwaiger um die Ablöse für den Übungsbaum herum und freuen sich auf ein Rollbratenessen am Ammersee.
Das Aufstellen des echten Maibaums ist für den 9. Mai geplant, einem Monat, der in der katholischen Kirche eine besondere Bedeutung hat, da Maria als wichtigste Heilige verehrt wird. Dies macht das Ereignis nicht nur zu einem Fest der bayerischen Traditionen, sondern auch zu einem spirituellen Höhepunkt.