Heute ist der 30.06.2026 und wir schauen auf ein Thema, das viele Landwirte in Bayern stark beschäftigt: psychische Belastungen. Immer mehr Menschen in der Landwirtschaft fühlen sich überfordert, und das hat nicht nur Auswirkungen auf die Betriebe, sondern auch auf die Familien und das soziale Miteinander. Unlängst berichtete Peter Bartlechner von der Bäuerlichen Familienberatung in Feldkirchen-Westerham über die wachsende Zahl an Beratungen, die sich mit Burn-out und Depressionen befassen. Früher war es jede vierte, heute ist es schon jede dritte Beratung, die solche Themen behandelt. Das ist alarmierend.

Besonders eindrücklich ist die Geschichte von Christoph Rothhaupt, einem Landwirt aus der Region. Er hat ein Buch über seine eigenen Erfahrungen mit psychischen Problemen verfasst und berichtete bei einer Veranstaltung in Netterndorf von seinem Zusammenbruch. Da geht es um Selbsthass, Suizidgedanken und die schmerzhafte Entscheidung, seinen Milchviehbetrieb grundlegend umzustellen. Rothhaupt ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, über Sorgen zu sprechen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Er ermutigt andere Landwirte, die eigenen Ängste und Probleme nicht zu verstecken. Das ist ein großer Schritt, um das Stigma, das psychische Erkrankungen umgibt, zu überwinden.

Der Druck wächst

Der Druck, dem Landwirte ausgesetzt sind, ist enorm. Karo Sigl, eine engagierte Ortsbäuerin, hat das in ihren Aussagen deutlich gemacht. Der Stress, der aus wirtschaftlichen Herausforderungen und dem ständigen Vergleich mit anderen Betrieben resultiert, ist fast unerträglich. Georg Weigl und Hubert Weber, beide Ortsobmänner des Bauernverbands, bestätigten dies in ihren Äußerungen und zogen Parallelen zu Rothhaupts Erfahrungen. Auch Generationenkonflikte und das Zusammenleben auf Höfen belasten viele Landwirte, besonders Frauen, die in einen Hof eingeheiratet haben. Der Wandel in der Landwirtschaft, wo Betriebe immer größer werden und die Zahl der Arbeitskräfte gleichzeitig abnimmt, verändert die Herausforderungen, aber löst sie nicht.

Die Hilfsangebote sind vielseitig, dennoch nutzen viele Landwirte diese nicht. Die Bäuerliche Familienberatung, Selbsthilfegruppen für Landwirte und Angehörige sowie das Montagstelefon für landwirtschaftliche Familien bieten Unterstützung, die oft nicht ausreichend in Anspruch genommen wird. Das Suizidrisiko in der Landwirtschaft ist alarmierend hoch – in Frankreich liegt es um 20-30% über dem Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung. Hier ist ein Umdenken gefragt.

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Gemeinsam stark – Über den Tellerrand schauen

Im September fand eine Veranstaltung von der Arbeitsgruppe „Suizidprävention in der Grünen Branche“ statt, die darauf abzielte, Landwirte und ihre Familien zu ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Christoph Rothhaupt war auch hier aktiv und forderte, Menschen unabhängig von ihrem Erfolg zu wertschätzen. „Das Zuhören und das ernsthafte Interesse an den Gefühlen anderer sind entscheidend“, so seine Worte. Hartmut Schneider, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Familie und Betrieb, wies darauf hin, wie wichtig ein bewusster Umgang mit Sprache ist. Ratsuchende nehmen Hilfe eher an, wenn sie von Personen in ihrem persönlichen Umfeld darauf hingewiesen werden. Da steckt viel Wahrheit drin.

Anne Dirksen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen betont die Bedeutung einer starken Gesprächskultur. Familien sollten sich Zeit nehmen, um zuzuhören und miteinander zu reden. Juliane Vees, eine aktive Landfrau, sieht großes Potenzial in Ehrenämtern und Verbänden. Diese könnten helfen, Themen niedrigschwellig anzusprechen und Hemmschwellen zu senken. Ein Vorschlag, der durchaus Nachahmung finden sollte, ist die Weitergabe von Visitenkärtchen mit Krisenhotlines, wie der der SVLFG (Tel. 0561 785 – 10101).

Diese Themen sind nicht nur für die Landwirtschaft wichtig, sondern betreffen uns alle. Ein offenes Ohr, ein wenig Zeit und das richtige Wort zur richtigen Zeit können Wunder wirken. Es ist an der Zeit, das Thema psychische Gesundheit in der Landwirtschaft ernst zu nehmen und aktiv anzugehen. Die Menschen, die jeden Tag hart arbeiten, verdienen es, in jeder Hinsicht unterstützt zu werden.

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