Heute ist der 23.05.2026 und in der kleinen Stadt Ebersberg kündigt sich ein Wechsel an, der nicht nur die evangelische Gemeinde betrifft, sondern auch die Herzen vieler Menschen berührt. Renate Zorn-Traving, die seit elf Jahren in Ebersberg als Pfarrerin tätig ist, wird im Juni 2026 nach Grafing wechseln. Ein Schritt, der nicht nur ihre berufliche Laufbahn verändert, sondern auch die Struktur der Gemeinde in Ebersberg. Sie tritt die Nachfolge von Ghita Lenz-Lemberg an, die Grafing bereits im November 2025 verlassen hat. Der Pfarrer Edzart Everts bleibt als letzter Pfarrer in Ebersberg zurück, während sich die evangelische Kirche im Allgemeinen mit Herausforderungen auseinandersetzt.
In den letzten Jahren hat die Zahl der Mitglieder in den evangelischen Gemeinden sowohl in Ebersberg als auch in Grafing stetig abgenommen. Mit jeweils gut 3000 Mitgliedern wird die Situation nicht einfacher, und die Prognosen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Die Kirchen müssen daher kreative Lösungen finden, um ihre Gemeinden lebendig zu halten. So stehen die Gotteshäuser in Glonn und Aßling zum Verkauf, da die Kirchenkassen leer sind. Bereits entwidmet, warten sie nur darauf, einem neuen Zweck zugeführt zu werden. In Glonn gab es zwar bereits Käufer, doch Denkmalschutzauflagen machen die Planung alles andere als einfach.
Ein neues Ehrenamt in Grafing
Die Gemeinde Grafing hat während der Vakanz bereits ein starkes Ehrenamt entwickelt. Die Gottesdienste, die von Prädikanten und dem ehemaligen Dekan Hans Dieter Strack gehalten wurden, zeugen von einem lebendigen und engagierten Gemeindeleben. Ab Juni wird Verwaltungsdiakon Heinz Hagenmaier die Geschäftsführung der evangelischen Gemeinden Ebersberg, Grafing und Wasserburg übernehmen. Ein neuer Wind weht durch die Gemeinden, und Edzart Everts kann sich endlich wieder auf seine Aufgaben als Gemeindepfarrer konzentrieren.
Besonders hervorzuheben ist das Engagement von Zorn-Traving im Bereich Kinder und Jugend. Angebote wie der Kinderbibeltag sollen künftig über Gemeindegrenzen hinweg veranstaltet werden, was die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen den Gemeinden fördert. In einer Zeit, in der jede helfende Hand zählt, ist die ehrenamtliche Arbeit von großer Bedeutung. Ein Kirchengesetz, das am 26. November 2003 beschlossen und zuletzt am 24. April 2026 geändert wurde, regelt die ehrenamtliche Arbeit und die Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern. Die Gemeinden sind aufgefordert, für das ehrenamtliche Engagement zu werben, unabhängig von Alter, Herkunft oder Kirchenzugehörigkeit.
Die Herausforderungen der Zukunft
Die evangelische Landeskirche plant, bis 2035 die Stellenkontingente um etwa 25 Prozent zu kürzen. Das bedeutet, dass jedes zweite Gebäude der protestantischen Gemeinden in Bayern verkauft werden soll. Es ist eine schwierige Zeit für die evangelische Kirche, die mit schwindenden Mitgliederzahlen und leeren Kassen zu kämpfen hat. Die Herausforderungen sind enorm, und umso wichtiger ist es, das Ehrenamt zu stärken und neue Wege zu finden, um die Gemeinden lebendig zu halten.
Die Herausforderungen sind also gewaltig, doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die Unterstützung von Ehrenamtlichen, die kontinuierliche fachliche Begleitung und die Möglichkeit zur Fortbildung sind essentielle Bausteine, um das Ehrenamt attraktiv zu gestalten. Die Gemeinden sind gefordert, eine Kultur des Miteinanders zu fördern und die ehrenamtliche Arbeit wertzuschätzen. Schließlich ist es die Gemeinschaft, die das Leben in den Kirchen prägt und die Menschen zusammenbringt.