Rettungsanker für Traumatisierte: Der Kampf um die Alte Mühle und ihren Gnadenhof
In Bruck, im Herzen von Ebersberg, liegt die Alte Mühle – ein Ort, der in den letzten 35 Jahren vielen Pferden, Kindern und ihren Träumen ein Zuhause geschenkt hat. Hier wird nicht nur ein Gnaden- und Therapiehof betrieben; es ist ein Rückzugsort für Menschen und Tiere mit Handicaps, die in unserer leistungsorientierten Gesellschaft oft kaum Platz finden. Chefin Julia Rogg und ihre Mutter Regina Peter kämpfen unermüdlich für ihre Schützlinge, denn die Stallungen, die den Tieren ein Zuhause bieten, stehen unter einem drohenden Abriss. Die Frist für den Abriss der Stallungen läuft Ende Juni 2025 aus, und die Behörden sind zwar bereit, die Situation vorerst zu dulden, doch die Unsicherheit bleibt. Die Stallungen sind als Hochwasser-Ausweichfläche ausgewiesen, was die Genehmigungen für einen neuen Stall auf einer hochwasserfreien Wiese nebenan kompliziert macht. Es ist ein Dilemma, das die beiden Frauen stark belastet. Julia betont, ohne die Ställe könnte die Einrichtung nicht bestehen – und das würde für viele Tiere bedeuten, ihr Zuhause zu verlieren.
Die Situation könnte nicht prekärer sein. Die meisten Tiere sind zu alt und krank, um einen Umzug zu überstehen. Der Druck auf Julia und Regina ist enorm, aber die beiden geben nicht auf. Eine Petition zur Rettung des Hofes hat bereits über 5000 Unterschriften gesammelt, und zwei Abgeordnete, Benjamin Miskowitsch (CSU) und Ursula Sowa (Grüne), haben sich der Causa angenommen. Hoffnung auf eine Lösung gibt es, aber die Zeit drängt. Ein weiteres Treffen in Bruck soll vor der Sommerpause stattfinden, während die Angelegenheit im Herbst erneut im Petitionsausschuss behandelt wird. Julia zeigt sich erleichtert über die Möglichkeit, die Sicht der Alten Mühle darzustellen, während sie gleichzeitig die Verantwortung für die Tiere und Kinder fest im Blick behält.
Ein weiteres Lebenswerk in Gefahr
Nicht weit entfernt, in einem anderen Teil Bayerns, kümmert sich Silvia Peschel-Eichorn um ein ähnliches Schicksal. Seit 30 Jahren rettet sie misshandelte, fast verhungerte und kranke Pferde. Ihr Gnadenhof hat sich darauf spezialisiert, aus „hoffnungslosen Fällen“ glückliche Pferde zu machen. Silvia hat mit ihrem Lebenswerk keinen Profit gemacht; ihre ehrenamtliche Arbeit wird durch hohe Zahlungen an die Berufsgenossenschaft gefährdet, die aufgrund der Einstufung der Pferde als „Nutztiere“ fällig werden. Es ist ein harter Kampf. Die Zahlungen sind so hoch, dass Silvia sie nicht mehr allein durch Spenden und Reitunterricht finanzieren kann. Ein weiterer Stein im Weg: Ihre Einkünfte wurden bei der Festsetzung der Versicherungsleistung nicht berücksichtigt. Das hat sie schließlich dazu gebracht, ihr Gewerbe abzumelden und sich um die verbliebenen Pferde zu kümmern.
Silvia wird von Unterstützern wie Maria unterstützt, die ein Pflegepferd namens Ellan auf dem Gnadenhof hat. Gemeinsam sammeln sie Unterschriften für eine Petition, die das Land Sachsen auffordert, Institutionen, die sich für das Tierwohl einsetzen, zu entlasten. Zwei Pferde, Djego und Pony Max, warten noch auf ein neues Zuhause. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Kämpfen und Aufgeben.
Ein gemeinsamer Kampf für das Tierwohl
Die Geschichten von Julia Rogg und Silvia Peschel-Eichorn sind mehr als nur Einzelschicksale; sie spiegeln eine größere Problematik wider, die viele Menschen in Deutschland bewegt. Die beiden Frauen sind mit ihrem Engagement nicht allein. Ihre Kämpfe verdeutlichen die Herausforderungen, denen sich viele Gnadenhöfe und Tierschutzorganisationen gegenübersehen. Der Druck durch bürokratische Hürden und finanzielle Belastungen ist groß, und trotzdem kämpfen sie für das Wohl von Tieren, die oft keine Stimme haben. In dieser Zeit, in der der Fokus häufig auf dem Menschen liegt, sind es diese kleinen Orte der Hoffnung, die uns daran erinnern, dass auch Tiere ein Recht auf ein würdevolles Leben haben. Die Unterstützung der Gemeinschaft ist entscheidend – denn am Ende sind es oft die kleinen Taten, die große Wellen schlagen können.


