In Markt Schwaben, einer ruhigen Gemeinde im Landkreis Ebersberg, sorgt eine beunruhigende Situation für Unruhe. Normalerweise ist der Sportpark zu der frühen Stunde, in der die Reinigungskräfte der Gebäudereinigung GSG ihre Arbeit aufnehmen, menschenleer. Doch seit einigen Monaten werden die Frauen, allen voran Maria Gegner und ihre Mutter Anja, von unbekannten Männern beobachtet. Diese ominösen Beobachter tauchen mal alleine, mal in Gruppen auf und scheinen ein seltsames Interesse an den Tätigkeiten der Reinigungskräfte zu haben. Das Verhalten der Männer empfinden die Frauen als beunruhigend und bedrohlich.
Der weitläufige Sportpark, der mit seinen zahlreichen Sportflächen und einem gut einsehbaren Gebäude aufwartet, bietet den idealen Rahmen für eine solche Beobachtung. Die Reinigung findet dreimal pro Woche für jeweils drei Stunden statt, bevor die ersten Kinder um acht Uhr die Sportstätten betreten. Die ersten Vorfälle wurden bereits Ende letzten Jahres gemeldet. Seither sind die Frauen überzeugt, dass sie einer Art Observation ausgesetzt sind. Um ihre Situation zu dokumentieren und möglicherweise die Männer zu vertreiben, haben sie Fotos und Videos angefertigt. Gespräche mit den Beobachtern gab es bisher nicht – lediglich ein „dreckiges Lachen“ als Reaktion auf ihre Präsenz.
Sicherheitsrisiko für die Reinigungskräfte
Die Frauen empfinden die Situation als erhebliches Sicherheitsrisiko, zumal sie Generalschlüssel der Gemeinde besitzen. Dreimal mussten die Reinigungskräfte bereits die Polizei rufen, die in jedem Fall die Personalien der Männer aufnahm und Platzverweise aussprach, da diese sich vor den offiziellen Öffnungszeiten im Sportpark aufhielten. Der Polizeichef versichert, dass alle Meldungen ernst genommen werden. Allerdings konnten bislang keine Anhaltspunkte für eine Straftat gefunden werden. Nach dem letzten Besuch der Polizei bei einem der Männer waren die Reinigungskräfte zunächst erleichtert, da sie keine Beobachter mehr sahen. Doch die Skepsis bleibt: „Man weiß nie, ob sie nicht einfach abtauchen, um dann wieder aufzutauchen“, sagt Maria Gegner.
Die Marktgemeinde plant nun, alle kommunalen Liegenschaften künftig mit eigenem Personal reinigen zu lassen. Dies könnte die Situation für die Reinigungskräfte verändern und möglicherweise auch zur Beruhigung beitragen. Doch die Angst bleibt, dass die Beobachter zurückkehren könnten, und die Frauen sind sich der drohenden Gefahr bewusst.
Was ist Stalking?
Das Verhalten der unbekannten Männer könnte als Stalking eingeordnet werden. Stalking bezeichnet das wiederholte, widerrechtliche Verfolgen, Nachstellen oder Belästigen einer Person gegen deren Willen. Es handelt sich dabei in der Regel um eine Serie von Tathandlungen, die sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Zu den möglichen strafbaren Handlungen im Rahmen von Stalking zählen unter anderem üble Nachrede, Verleumdung und Körperverletzung. Oft stecken hinter solch einem Verhalten Motive wie Macht, Dominanz und das Bedürfnis nach Kontrolle.
Die Polizei empfiehlt Betroffenen, Fachberatungsstellen für Stalking aufzusuchen, um die Situation besser einschätzen und geeignete Schritte planen zu können. Bei akuten Gefahrensituationen sollte immer die Polizei eingeschaltet werden. Diese setzt Maßnahmen zur Gefahrenabwehr, Strafverfolgung und zum Opferschutz ein. Es ist wichtig, dass Betroffene wissen, dass sie nicht alleine sind und Unterstützung erhalten können.
Weitere Informationen zu Stalking und den entsprechenden Maßnahmen finden Sie auf der Website der Polizei.