Varta in Nördlingen: Ein Abschied von der Innovationskraft?
In Nördlingen schlägt die Nachricht wie ein Blitz ein: Varta, der renommierte Hersteller von Batterien und Knopfzellen, muss sich von 350 seiner Mitarbeitenden trennen. Der Grund? Ein Umstieg des Technologiegiganten Apple, der seine Knopfzellen künftig aus Asien beziehen will. Diese Entscheidung hat nicht nur Auswirkungen auf die Zukunft des Standorts, sondern auch auf die Lebensumstände vieler Menschen in der Region.
Varta hat über Jahre hinweg Apple beliefert, insbesondere mit den gefragten CoinPower-Zellen, die in Geräten wie den AirPods zum Einsatz kommen. Doch die neue Strategie von Apple, die Fertigung in preisgünstigere asiatische Gefilde zu verlagern, stellt den Verlust des wichtigsten Kunden für Varta dar. Varta-Chef Michael Ostermann lässt durchblicken, dass die Entscheidung des Ankerkunden schwerwiegende Konsequenzen haben wird. Es handelt sich hierbei nicht um ein Qualitätsproblem, sondern viel mehr um die Kosten: Asiatische Lieferanten können einfach günstiger produzieren.
Der Ausblick für Nördlingen
Die Fertigungseinheit in Nördlingen, die speziell für die Produktion dieser Zellen eingerichtet war, wird nicht geschlossen, doch ihre Zukunft sieht düster aus. Ursprünglich waren hier einmal 630 Mitarbeiter beschäftigt, doch nach den angekündigten Maßnahmen wird kaum noch jemand übrig bleiben. Varta plant, die nächsten Schritte im Dialog mit dem Betriebsrat zu gestalten, konkrete Sozialpläne sind jedoch noch nicht ausgearbeitet. Die hochspezialisierten Kenntnisse der Mitarbeitenden sind zudem nur schwer auf andere Bereiche übertragbar, was die Situation zusätzlich verkompliziert.
Die Lieferbeziehung zu Apple endet offiziell Ende Oktober 2026. Bis dahin bleibt viel Ungewissheit für die Belegschaft. Bereits Ende 2025 wurden erste Stellenstreichungen angekündigt, und die Stimmung unter den Mitarbeitenden ist angespannt. Es ist eine Zeit voller Fragen und Ängste, während die Belegschaft auf das reagiert, was als nächstes kommt.
Ein Blick in die Zukunft von Varta
Obwohl der Standort Nördlingen von diesen Umstrukturierungen betroffen ist, bleibt der Stammsitz in Ellwangen weitgehend unberührt und beschäftigt noch rund 1220 Mitarbeitende. Varta hat in den letzten Jahren mit einer Vielzahl von Herausforderungen gekämpft: Umsatzrückgänge, ein Hackerangriff und finanzielle Verluste haben die Firma stark belastet. Doch es gibt auch Lichtblicke. Porsche und Michael Tojner haben etwa 60 Millionen Euro bereitgestellt und die Kontrolle über Varta übernommen, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.
Darüber hinaus arbeitet Varta an innovativen Natrium-Ionen-Batterien im Rahmen des bundesgeförderten Projekts ENTISE, was die Hoffnung auf eine zukunftsorientierte Entwicklung weckt. Man darf gespannt sein, wie sich die Lage entwickeln wird – sowohl für die betroffenen Mitarbeitenden in Nördlingen als auch für die gesamte Branche. Die Verlagerung von Apple ist nur die Spitze des Eisbergs, da viele europäische Zulieferer unter ähnlichen Bedingungen leiden. In dieser dynamischen Zeit bleibt es abzuwarten, wie Varta und andere Unternehmen auf die Herausforderungen reagieren werden.


