In einer bemerkenswerten Entwicklung hat das US-Nationalarchiv die umfassende NSDAP-Mitgliederkartei online gestellt, die nun aus 12,7 Millionen Karteikarten besteht. Dies öffnet für viele Menschen, die sich mit ihrer Familiengeschichte auseinandersetzen möchten, ganz neue Türen. Fragen über die Vergangenheit, wie “Waren meine Großeltern Nazis?”, können jetzt gezielt angegangen werden. Die Karteikarten bieten Einblick in die Mitgliedschaften rund um die NSDAP, die von 1933 bis 1945 in Deutschland herrschte.
Die Zahlen sind beeindruckend: Rund 8,5 Millionen Deutsche, was etwa einem Fünftel der damaligen erwachsenen Bevölkerung entspricht, waren Mitglied der NSDAP. Das Interesse an der Karteikarte ist enorm. Laut den Angaben von Merkur waren es allein im vergangenen Monat nach der Freischaltung im April 2026 ganze 1,5 Millionen Zugriffe auf die Website des Nationalarchivs.
Erhöhtes Interesse an der NSDAP-Kartei
Die Karteikarten enthalten etwa 80% nachweisbare Mitgliedschaften, jedoch beklagen Kritiker, dass einige Medien wie “Zeit” und “Spiegel” kostpflichtige Suchmaschinen anbieten, um die Karteikarten zu durchsuchen. Während die Original-Version der NSDAP-Kartei kostenlos zugänglich ist, kann die Recherche aufgrund der Menge an Informationen und der Struktur durchaus zeitaufwendig sein.
Besonders bedenklich ist, dass einige prominente Mitglieder der NSDAP, wie Adolf Hitler und Heinrich Himmler, nicht vollständig in dieser Kartei dokumentiert sind, was Historikern Anlass zur Sorge gibt. Sie warnen vor der begrenzten Aussagekraft der Karteikarten, die oft nur rudimentäre Informationen bieten. Historiker betonen daher, dass für eine vollständige und korrekte Recherche ebenfalls andere Archive und Literatur zur NS-Zeit konsultiert werden sollten.
Ein Blick auf die Struktur der Kartei
Die NSDAP-Kartei setzt sich aus zwei Teilen zusammen: der Zentralkartei (MFKL) mit etwa 4,3 Millionen Karteikarten und der Ortskartei (MFOK), die mit etwa 6,6 Millionen Mitgliedskarten fast doppelt so viele Informationen bereitstellt. Diese wichtigen Dokumente wurden nach dem Krieg vor der Vernichtung gerettet und fanden ihren Weg ins Bundesarchiv. Dort ist der Ansturm auf die Karteikarten deutlich spürbar, mit jährlich etwa 75.000 Anfragen.
Die Aufarbeitung dieser Vergangenheit ist wichtig für viele Familien in Deutschland und darüber hinaus. Indem persönliche Hintergründe sichtbar gemacht werden, können Betroffene mehr über die Geschichte ihrer Angehörigen erfahren. Der Zugang zu diesen Informationen könnte somit nicht nur zur Aufklärung, sondern auch zur Reflexion über die im Schatten der NS-Zeit liegenden Familiengeschichten beitragen.